Bewegender Roman

Zeit der Pfirsichblüte – Anja Saskia Beyer

Anna führt ein zufriedenes Leben in Deutschland und ist glücklich mit Job und Beziehung. Denkt sie! Bis Carina, ihre Freundin und Kollegin, den Vorschlag macht, einen Mädelsurlaub in Barcelona zu machen. Alte Wunden brechen auf, denn Anna hat eine Weile in Barcelona gelebt und dort vor zwanzig Jahren nicht nur ihre Liebe sondern auch ihr Baby verloren. Durch Zufall erfährt sie, dass es bis in die 1990er Jahre in Spanien Fälle von Babydiebstahl gab – die Babys wurden den Müttern nach der Geburt weggenommen und den Müttern wurde erklärt, die Babys seien tot.


Anja Saskia Beyer hat dieses sensible Thema in einem wundervollen Roman aufgearbeitet. Ihre hervorragende Recherche zeigen, wie schrecklich diese Fälle waren und lassen den Leser mitfühlen, wie es den Müttern gegangen sein muss. Die Stimmung im Roman ist jedoch trotz dieser heiklen Geschichte überhaupt nicht düster und negativ, sondern sehr positiv und voller Hoffnung. Wie man es aus ihren Büchern gewohnt ist, bewegen wir uns zeitlich zum Teil in der Vergangenheit und erleben die damalige Geschichte und zum Teil im Hier und Jetzt und dürfen die Protagonisten bei ihren aktuellen Gedanken und Geschehnissen begleiten. Diese Protagonisten sind sehr vielfältig gestaltet. Anna, Carina und auch Pablo sind wunderbar sympathisch und es macht Spass, ihr Handeln zu beobachten. Aber es gibt auch negative Charaktere – Inez und Rafael zum Beispiel sind mir überhaupt nicht sympathisch geworden.
Insgesamt macht es Spass, diesen Roman zu lesen. Neben der tollen Hauptgeschichte entwickeln sich Liebesgeschichten und natürlich, wie man es aus den Büchern der Autorin kennt, lernt man reichlich über Land und Leute kennen. Ich habe jedenfalls den Wunsch, mir die Pfirsichblüte mal anzuschauen und ich habe beim Lesen des Buches auch immer wieder Lust auf leckere Tapas bekommen.


Ich lege dieses Buch allen ans Herz, die kein oberflächliches Geplänkel lesen möchten, sondern die gern auch einen Blick in die Tiefe wagen und sich für geschichtliche Hintergründe interessieren. Von mir gibt es natürlich eine Leseempfehlung und wohlverdiente fünf Sterne.

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Winterlicher Liebesroman

Eine unperfekte Liebe – Martina Gercke

Katie ist eine erfolgreiche Innenarchitektin in den besten Jahren. Die 30 hat sie schon längst überschritten und ihre biologische Uhr tickt vernehmlich. Da sie schon immer ein Kind wollte, lässt sie sich in eine Samenbank künstlich befruchten.
Hunter ist von seiner Verlobten sitzengelassen worden und möchte sich auf sein geerbtes kleines Cottage irgendwo draußen am Rand eines Dörfchens zurückziehen. Da dieses Cottage noch mit den Möbeln und dem Interieur seiner Großeltern eingerichtet ist, gibt er Katie den Auftrag, sich um die Modernisierung zu kümmern.

Endlich haben wir mit diesem Buch einen Roman, in dem die Protagonistin nicht erst Anfang zwanzig ist, sondern wirklich schon fest mit beiden Beinen im Leben steht. Sie weiß genau, was sie will und sie hat einen genauen Plan, wie sie ihr Leben als Alleinerziehende gestalten kann und will. Martina Gercke hat dieses Thema sensibel aber trotzdem mit viel Humor umgesetzt. Mit Hunter hat sie außerdem einen männlichen Gegenpart geschrieben, der durch und durch sympathisch ist. Auch die Nebencharaktere, allen voran Mia und Gramps, sind klasse beschrieben.

Gefreut habe ich mich, dass das Lieblingslokal von Katie das Heavens Place ist, das wir ja von den Portobello-Girls schon kennen. Man fühlt sich direkt zu Hause.

Der Roman hat für mich alles, was ein gelungener Winterroman braucht: heimelige Atmosphäre, viel Schnee, ein bisschen Weihnachtszauber und vor allem einen tollen Plot, den zu lesen mir viel Freude bereitet hat. Gern gebe ich eine Leseempfehlung und fünf strahlende Sterne.

Smarter Police Officer trifft auf coole Trailerbraut

Frostmagie – Kalte Füße, heißes Blut – Margaux Navara

Lyn lebt im Trailer ihrer Mutter mehr schlecht als recht. Mit Aushilfsjobs versucht sie, sich über Wasser zu halten. Mit der örtlichen Polizei ist sie bereits mehrfach aneinandergeraten. Auch Angus, der neue Officer, beobachtet sie genau. Als er sie dann auf frischer Tat ertappt, kann er sich nicht zurückhalten. Obwohl er eigentlich all seinen Kinks abgeschworen hat, wird er rückfällig.

Dieser Roman ist ein weiteres Buch aus der „Frostmagie-Reihe“. Alle Romane spielen im beschaulichen Örtchen Frost Creek zur Weihnachtszeit. Höhepunkt in jedem Roman ist der Weihnachtsball, der natürlich auch in diesem Roman eine wichtige Rolle spielt.

Margaux Navara hat einen tollen Liebesroman mit „nettem Prickeln“ geschrieben. Ein kleines bisschen BDSM spielt hier genauso eine Rolle wie romantische Schmetterlinge im Bauch. Die Protagonisten sind sehr sympathisch beschrieben. Man fühlt mit Lyn, die doch eigentlich gar nicht klauen möchte, aber sich zwischendurch keinen anderen Rat weiss. Aber auch Angus ist toll dargestellt. Der Officer will zwar seiner Pflicht nachgehen, zeigt aber viel Menschlichkeit und Wärme, als er ein durchfrorenes Häufchen Elend mit nach Hause nimmt.

Wer sich ein paar Stunden in eine bezaubernde Winterwelt mit einer rührenden, und doch prickelnden, Weihnachtsgeschichte entführen lassen möchte, dem lege ich dieses Buch ans Herz. Wer noch mehr aus Frost Creek lesen möchte, sollte unbedingt die anderen Bände der Frostmagie-Reihe lesen. Jedes Buch ist übrigens selbstständig und unabhängig von den anderen Büchern lesen.

Fast ein modernes Märchen

Glamour Stars – Geküsst in Las Vegas – M.L. Busch

Amber kellnert in einem Strip-Club in Las Vegas, aber eigentlich ist sie Artistin und Star einer kleinen Zirkustruppe. Doch aufgrund einer Knieverletzung kann sie nicht auf der Bühne stehen, sondern muss sich auskurieren und die Truppe alleine ziehen lassen. Stammgast in diesem Club ist Keith (den wir schon aus Honeymoon-Stars kennen), der zwar gern Strip-Shows sieht, aber ansonsten eigentlich glücklicher Single mit einem großen Herz ist.
Amber lebt mit ihrem Hund Ketchup in einem alten Wohnwagen und bekommt ein Problem, weil sie auf dem Stellplatz nicht mehr lange stehen darf. Keith bekommt Wind davon und will ihr helfen.

Eigentlich wollen Amber und Keith nur ein freundschaftliches Verhältnis, denn eigentlich ist Amber mit Matt, dem Chef der Zirkustruppe liiert. Doch ganz heimlich schleichen beide sich ins Herz des anderen, aus einer geplanten Freundschaft wird ungeplant mehr.
Die Autorin hat es mal wieder geschafft, eine wunderbar flüssig zu lesende Geschichte zu schreiben. Fast klingt es wie ein modernes Märchen, das Aschenbrödel bekommt den reichen Prinzen. Aber die Geschichte ist nicht platt und so, wie man sie oft gelesen hat (Millionär findet armes Mädchen). Amber ist eine eigenständige und selbstbewusste Frau, die Wert darauf legt, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst verdient und die genau weiss, was sie will – nämlich nicht von einem reichen Mann ausgehalten werden. Keith stellt im Gegensatz dazu seinen Reichtum nicht zu Schau. Er hat das Geld, arbeitet aber auch hart dafür und möchte manchen Menschen einfach was Gutes tun.

Wer ein paar Stunden einfach mal dem momentanen Corona-Chaos entfliehen möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ein paar Stunden Las Vegas mit seinen Glücksspielautomaten, den Shows und vor allem der wunderbaren Liebesgeschichte haben es bei mir geschafft, ein bisschen meine Alltagssorgen zu vergessen. Deshalb gibt es von mir sehr gern eine Leseempfehlung und fünf blinkende Sterne!


Verliebt in Schottland

Liebe ungeplant – Martina Gercke

Julia Moore betreibt gemeinsam mit ihrem besten Freund Victor eine Hochzeitsagentur. Aktuell soll sie Tessas Hochzeit auf einem schottischen Landsitz planen. Zum Tortentasting bringt Tessa statt ihres Verlobten Rob ihren Bruder Logan mit – und es kommt, wie es kommen muss. Zwischen Logan und Julia funkt es gewaltig. Doch Julia hat sich geschworen, niemals etwas mit der Verwandtschaft von Kunden anzufangen. Ausserdem hat sie das Problem, dass ihre Geschäftsräume verkauft wurden und die Agentur nun vor einer ungewissen Zukunft steht.

Die Autorin hat es mal wieder wunderbar geschafft, eine prickelnde Liebesgeschichte in einer traumhaften Kulissen spielen zu lassen. Logan im Kilt – man sieht ihn förmlich vor sich. Die Charaktere sind, wenn man mal von Onkel Angus und seinen Söhnen absieht, durch die Bank sehr sympathisch und authentisch. Amy, Julias beste Freundin, hat mir mit ihrer übersprudelnden Lebensfreude besonders gut gefallen, aber auch Julias Kampfgeist macht Lust auf mehr. Martina Gercke hat die beiden Handlungsstränge, zum einen die Hochzeit und die Geschichte rund um Logan, zum anderen die Probleme mit dem Verkauf der Geschäftsräume, wunderbar verknüpft. Der Leser schwebt also nicht ständig nur auf „Rosa Wolken“ (so der Name der Hochzeitsagentur), sondern er wird mitgenommen in den Alltag und die Probleme rund um die Geschäftsräume. Aber natürlich wird alles am Ende, so, wie ich es von einem Liebesroman erwarte, wunderbar aufgelöst und geklärt.

Wer ein paar schöne Stunden in Schottland verbringen möchte, dem lege ich dieses Buch gern ans Herz. Wer die Geschichten um die Portobello-Girls kennt, begegnet in diesem Roman im übrigen liebgewonnenen Figuren. Ich hoffe, die Andeutungen, die im Roman fallen, werden demnächst in einem neuen Buch aufgedröselt. Natürlich gebe ich von Herzen gern eine Leseempfehlung und bewerte das Buch mit fünf Sternen.

Zerrissen – Michael Tsokos

Letzte Woche erreichte mich Post der Verlagsgruppe Droemer Knaur . Ein Brief und ein Schlüsselanhänger in Form eines Boxhandschuhs. In diesem Boxhandschuh steckte ein Papierstück. Augenscheinlich ein Fragment eines Obduktionsberichtes. Was hat das wohl zu bedeuten?

Gestern lag wieder ein Brief in meinem Briefkasten. Wieder ein Schreiben vom Knaur-Verlag, zusammen mit einem Buch und einem Döschen …

Natürlich war ich neugierig und habe sofort das Döschen geöffnet!

Der Rest des Obduktionsberichtes kam zum Vorschein! Holla! Das liest sich ziemlich brachial! Was ist da wohl mit dem Opfer passiert? Tja – das wird man wohl nur rausfinden, wenn man das Buch „Zerrissen“ von Michael Tsokos liest. Ich wünsche viel Spass dabei!

Wohnzimmerlesung Tanja Hagen

Endlich war es mal wieder soweit – ich hatte eine kleine, aber sehr feine Wohnzimmerlesung organisiert. Die Autorin Tanja Hagen hat mich besucht und vor kleinem, ausgewähltem Publikum aus drei ihrer Bücher vorgelesen.
Zum Einstieg gab es ein paar Szenen aus „Poison – Liebe neben dem Fadenkreuz„, dem ersten Band ihrer Serie über die IATF, einer fiktiven internationalen Anti-Terror-Einheit. Da jeder Band in sich abgeschlossen ist, war es kein Problem, den Sprung zum 16. Band dieser Serie zu wagen. „Operation Protected“ ist gerade vor einer Woche erst erschienen. Noch exklusiver wurde es, als Tanja Hagen ein paar Seiten aus dem nächsten Buch vorgelesen hat. „Judicantes“ wird erst am 1.12. erscheinen und die Gäste der Wohnzimmerlesung waren die ersten, die überhaupt ein bisschen was aus diesem Buch erfahren haben. Alle Bücher sind übrigens eine Genremischung aus Romantic Suspence und Military Romance. Auch bei den vorgelesenen Ausschnitten kamen weder die Spannung noch die Romantik zu kurz.Natürlich stand die Autorin nach der Lesung für Fragen zur Verfügung und hat auch Signierwünsche gern erfüllt.

Meinen Gästen und der Autorin danke ich herzlich für den tollen Nachmittag!

Kleines Autoren- und Bloggertreffen

Meine Bloggerkollegin Ulla hatte zu einem kleinen Autoren- und Bloggertreffen eingeladen. Da aufgrund der aktuellen Situation nicht so arg viele Personen bei diesen Treffen anwesend sein sollten, beschränkte sich unsere Runde auch auf einen kleinen Kreis. Neben Ulla war ich als Bloggerin aus unserem Bloggerteam – Die Drei vom Niederrhein anwesend. Mitgebracht hatte ich außerdem meine Tochter Josephine, die als Nachwuchsbloggerin hier auf meinem Blog ab und an Beiträge verfasst und auf Instagram ihren eigenen Blog aufbaut.
Ebenfalls eingeladen war das Autorenpaar Horst und Julia Drosten, Kerstin Lange, Brigitte Lamberts und Stefanie Hohn.
Mit Kuchen und leckerem Kaffee hat uns Ullas Mann Wolfgang herrlich verwöhnt.

Natürlich haben wir uns ganz viel über Bücher unterhalten. Aber ich glaube, noch mehr haben wir es genossen, uns mal wieder persönlich sehen zu dürfen. Dank Corona sind ja bisher alle Buchmessen ausgefallen, und auch Frankfurt steht in diesem Jahr nicht in meinem Kalender. Da fand ich es sehr schön, mal wieder ein paar liebe Menschen persönlich zu treffen und mit ihnen über dies und das zu plaudern. Da Ulla in ihren Garten geladen hatte und wir dadurch an der frischen Luft war, mussten wir nicht mit Masken sitzen, sondern durften recht entspannt (sofern man das bei den aktuellen Temperaturen kann) am Gartentisch sitzen.

Ganz besonders gefreut hat sich Josephine, weil sie von den Drostens ein signiertes Exemplar der „Honigprinzessin“ geschenkt bekommen hat. Aber auch die Gespräche mit den anderen Autorinnen hat sie sehr genossen.

Liebe Ulla, Danke für den wirklich wundervollen Nachmittag! Und auch Deinem Mann einen herzlichen Dank für die leckere Verpflegung.

Autoreninterview Anke Schläger

Liebe Anke,

ganz lieben Dank zunächst, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Aus Deiner Vita geht hervor, dass Du seit mehr als zwanzig Jahren in der Unternehmenskommunikation arbeitest. Studiert hast Du jedoch Germanistik, Politikwissenschaft und Pädagogik. Auf den ersten Blick nicht unbedingt Studienfächer, die mit Deinem Job in Verbindung gebracht werden. Wie bist Du vom Studium und Volontariat in diesen Bereich gekommen?
Ich finde, das hat sich alles prima ergänzt. Aus dem Studium und der Zeit bei einer Tageszeitung habe ich eine Menge mitgenommen, das ich immer noch gebrauchen kann: vor allem, wie man Informationen zusammenträgt, ordnet und am Ende etwas Lesbares daraus macht. Lebensnahe Geschichten haben mir immer viel Spaß gemacht. Und das, was beim Romanschreiben „Show, don’t tell“ heißt, lernt man ziemlich gut beim Schreiben von Zeitungsreportagen. In meinem Hauptjob setze ich das auch um. Da geht es oft um Texte zu technischen oder wissenschaftlichen Themen, die für Leser von Fachzeitschriften leicht verständlich sein sollen.

Durch Deinen Hauptjob bist Du ja nicht Vollzeit-Autorin. Würdest Du gern mehr schreiben und den Hauptjob an den Nagel hängen, oder soll die Autorentätigkeit weiterhin nebenberuflich bleiben?
Mein restliches Berufsleben komplett am heimischen Schreibtisch verbringen? Nein, danke. Der regelmäßige Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen würde mir fehlen. Das merke ich jetzt schon im Corona-bedingten Home Office. Außerdem kommen mir in meinem normalen Job auch regelmäßig Ideen, die ich für meine Bücher verwenden kann. Und von bisher drei veröffentlichten Romanen im Selfpublishing kann kaum jemand leben – ich jedenfalls nicht. Darum werde ich wohl Autorin im Nebenberuf bleiben, wie so viele Schriftsteller, die andere Einkommensquellen haben.

Gibt es einen zweiten Traumberuf, den Du gern gelernt / ausgeübt hättest? Und was hat Dich dazu bewogen, den aktuellen Weg einzuschlagen?
Ganz früher habe ich mit einem Studium der Archäologie geliebäugelt, weil ich schon als Zwölfjährige alles verschlungen habe, was mit den Pharaonen im alten Ägypten zu tun hatte. Aber das erschien mir dann doch reichlich realitätsfern. Das Schreiben von Romanen auch, deshalb habe ich meine ersten Geschichten heimlich aufgeschrieben und versteckt. Ich war stolz wie Oskar, als in der Lokalzeitung meiner Heimatstadt die ersten Artikel erschienen, über denen mein Name stand … Das war 1985.


Deine Bücher sind Gegenwartsromane, die immer mit einer großen Portion Humor daherkommen, die aber nie oberflächig sind, sondern sehr in die Tiefe gehen. Du sprichst auch kritische und problematische Themen an, jedoch nie mit einem erhobenen Zeigefinger. Verarbeitest Du viel Autobiographisches, oder ist tatsächlich alles Fiktion?
Ich schaue mich gern in der nächsten Umgebung um. Auf meinen Debüt-Roman bin ich gekommen, weil ich mich – wie eine meiner Hauptfiguren – am Tag vor Heiligabend gründlich verfahren und dabei eine Frau mit einem kleinen  Jungen gesehen habe. Vermutlich Mutter und Sohn, die aus einem Haus stürmten. Du kennst „Festtagsgäste“ ja und weißt, was daraus geworden ist. „Taktgefühle“ knüpft daran an und ist in einer Zeit entstanden, in der meine Tochter häufig Klavier gespielt hat. Und „Sonnenplätze“ ist ein Mutter-Tochter-Roman. Da ist so manche Szene hineingerutscht, in der ich mich wiedererkenne. Aber das Allermeiste ist Fiktion. Ich habe wirklich nie in einer niederländischen Ausnüchterungszelle übernachtet oder eine amerikanische Ferienanlage geleitet, und Motorrad fahren kann ich auch nicht.

Deine ersten beiden Bücher spielen in Deutschland, in Ostwestfalen, wo Du lebst. „Sonnenplätze“ dagegen spielt in Florida. Was hat Dich bewogen, Deine Geschichte mal in einer völlig anderen Gegend spielen zu lassen?
Der Ostwestfale bleibt ja nicht ein Leben lang auf seiner Scholle. In Florida und auch in einigen anderen Gegenden der USA war ich mit meiner Familie oft. Eine erste vage Idee zu diesem Roman entstand während unseres letzten Urlaubs auf Sanibel Island, als wir die starken Regenfälle erlebten und am Strand tatsächlich ein kleiner Alligator herumlief. Wir waren noch nicht lange wieder zu Hause, als der Hurrikan „Irma“ über die Insel hinwegfegte – und seitdem wollte ich daraus etwas machen. Im Roman geht es auch um eine sowjetische Militärmission, die es in Ostwestfalen tatsächlich gab, und auf Sanibel Island genießen bis heute etliche ehemalige CIA-Agenten ihren Ruhestand. So war die Verbindung zu meiner Heimat schnell geknüpft.
Kleiner Spoiler: In meinem nächsten Roman werden die Hauptfiguren genauso wenig in Deutschland bleiben. Es geht dann auf eine Insel in Südeuropa, die auch nicht Jeder kennt.


Gibt es noch ein Genre, was Dich besonders reizt, in dem Du gerne mal etwas schreiben würdest?
Ja, ich habe schon ein erstes Exposé zu einem Krimi niedergeschrieben. Aber dazu muss ich an einigen Stellen vor Ort recherchieren, und das ist während der Corona-Zeit schwierig.

Wie bereitest Du Dich auf ein neues Buchprojekt vor?
Ich habe eine dicke Mappe, in der alle spontanen Einfälle landen, und ein Notizbuch für zwischendurch. Das wird alles durchsucht, sobald es eine erste Idee gibt, Brauchbares auf einen Haufen geschichtet und ein Pitch geschrieben. Dann skizziere ich die Haupt- und die wichtigsten Nebenfiguren, ein Exposé entsteht und auch ein grober Kapitelplan.

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Bücher?
Überallher. Aus der Umgebung, der Zeitung, dem Fernsehen, und gar nicht so selten bringt mich auch ein Lied auf eine Idee – zum Beispiel für den Titel „Sonnenplätze“.

Wie lange benötigst Du für ein Buch?
Länger als ein Jahr, weil ich ja nicht hauptberuflich schreibe und auch vieles andere selbst in die Hand nehme wie den Printbuchsatz und die Pflege meiner Website. Mit „Sonnenplätze“ habe ich im Herbst 2018 begonnen und in diesem Frühjahr veröffentlicht.

Schreibst Du „aus dem Bauch heraus“, oder plottest Du vorher?
Meinen ersten Roman habe ich weitgehend aus dem Bauch heraus geschrieben. Den zweiten habe ich äußerst akribisch geplottet. Den dritten auch – und dann nach etwas mehr als der Hälfte einen Großteil meines schönen Kapitelplans komplett verworfen. Da haben sich die Figuren selbstständig gemacht, und ich hatte plötzlich viel mehr Spaß am Schreiben als zuvor. Beim vorgesehenen Schluss ist es allerdings geblieben.
Konsequenz daraus: Das Exposé und den Kapitelplan zum vierten Roman habe ich erst fertiggestellt, als ich schon drei Kapitel beisammen hatte. Ich musste mich ein bisschen dazu zwingen und habe mir von einem Tag zum anderen vorgenommen „morgen fängst du damit aber an“. Nun ist das Ganze für mich eine Rückversicherung, dass ich diesen Roman zu Ende bringen kann. Aber wenn mir unterwegs etwas Besseres einfällt, ist es auch gut. Beruhigend: Mein Lektor weiß, was ich diesmal vorhabe, und von ihm gab’s grünes Licht.

Du hast bisher als Selfpublisherin veröffentlicht. Möchtest Du in dem Bereich bleiben, oder würdest Du lieber als Verlagsautorin schreiben und wieso ist Deine Wahl so?
Einerseits würde ich meine Bücher sehr gern in allen Buchhandlungen sehen. Welcher Autor träumt davon wohl nicht? Eine professionelle Zusammenarbeit mit einem Verlag würde meinen Büchern garantiert mehr Aufmerksamkeit einbringen.
Andererseits führt der Weg zu einem Verlag in aller Regel über Literaturagenturen. Mit meinem ersten Roman habe ich viel Zeit für die Agentursuche verwendet, zu viel, wie ich heute weiß – denn die Erfahrungen waren nicht gut. Und die Coronakrise dürfte eher dazu führen, dass Agenturen lieber auf bekannte Namen setzen als auf neue Autoren, deren Aufbau immer auch ein Risiko bedeutet. Außerdem schreibe ich bislang nicht innerhalb der Genres, die für Agenturen spannend sind, weil sie den kommerziellen Erfolg versprechen: Humor, Liebe, Erotik oder Krimi.
Trotzdem würde ich mich freuen, wenn eine Agentur oder ein Verlag an einer langfristigen Zusammenarbeit mit mir interessiert wäre. Die Themen, über die ich schreibe, möchte ich aber weiter selbst auswählen, und das ist für mich ein wesentlicher Vorteil des Selfpublishing. Ganz falsch liege ich mit meinen Ideen wohl nicht. Sonst wäre „Sonnenplätze“ kaum auf Platz 30 der e-book-Bestsellerliste von Thalia gelandet, zwischen vielen bekannten Verlagstiteln.  

Hast Du Tipps für junge Autorinnen und Autoren, die gern ein Buch veröffentlichen würden?
Lasst Euch nicht bange machen und habt viel Geduld. Bange machen wollen einen nämlich vor allem Menschen, die damit bares Geld verdienen. Zum Beispiel Agenturen, die eine Vertretung in Aussicht stellen, wenn man zuvor bei der hauseigenen Schreibschule einen Kurs absolviert. Darauf habe ich lieber verzichtet. Und nicht jeder Tipp im Selfpublishing passt für alle. Ich habe mir diesmal Kindle Unlimited gespart und „Sonnenplätze“ auch nie für 99 Cent verkauft. Trotzdem habe ich von diesem Roman in drei Monaten mehr Exemplare verkauft als von den anderen beiden. Dafür ein dickes „Dankeschön“ an das Team von tolino media, denn ohne die tolle Zusammenarbeit hätte das nicht funktioniert.
Geduld braucht man mit sich selbst, wenn man mal wieder glaubt, überhaupt nicht schreiben zu können, nur weil man irgendwo stecken geblieben ist. Romanfiguren entwickeln sich mit der Zeit, die müssen nicht von Anfang an „rund“ sein.
Und von den bombastischen Zahlen, die andere Autoren einem manchmal ungefragt um die Ohren hauen, muss man sich auch nicht allzu sehr beeindrucken lassen. Besser nachfragen, wie viele Bücher vergünstigt und wie viele zum vollen Preis verkauft worden sind. Quantität allein sagt nicht unbedingt etwas über den Erfolg aus.
 

Jetzt habe ich noch ein paar persönlichere Fragen, damit die Leser Dich als Person noch ein bisschen näher kennenlernen können:
Wie, wo und wann schreibst Du am liebsten?
Ganz schnöde am Schreibtisch, vor einem großen Bildschirm, auf dem ich alles gut lesen kann. Bei schönem Sommerwetter und nach Sonnenuntergang setze ich mich mit dem Laptop auch manchmal auf die Terrasse, vor allem nach einem Tag im Home Office. Wenn ich mir die Zeit selbst einteilen kann, schreibe ich morgens, weil der Kopf dann noch frei ist.  

Was ist Dir beim Schreiben als Arbeitsumgebung wichtig?
Meine Ruhe, etwas zu Trinken und Kaugummi, um das Hirn auf Touren zu bringen.

Welches Genre liest Du selber am liebsten? Hast Du Autorenvorbilder oder Autoren, die Du besonders gern liest?
Im Moment lese ich gern ähnliche Romane, wie ich sie selbst schreibe: von deutschen Autorinnen wie Dörte Hansen, Sybil Volks oder Dora Heldt, in denen es um Familienbande und Freundschaften geht. Ich mag authentische Figuren lieber als superstarke Frauen und ihre Traummänner. Gerade finde ich auch zu Büchern zurück, von denen ich nur wenige Seiten täglich lese, die dafür aber länger im Gedächtnis bleiben – etwa von Benedict Wells.  

Und: Was sind Deine Freizeitaktivitäten, wenn Du nicht schreibst?
Musik hören und dabei kochen (oder umgekehrt), lesen, fotografieren, neuerdings auch wieder häufiger Radfahren.

Das waren jetzt eine Menge Fragen. Aber vielleicht habe ich ja eine oder mehrere für Dich wichtige Fragen gar nicht gestellt? Gibt es etwas, das Du den Lesern gern noch mitgeben oder erzählen möchtest?
Ohne Euch Leserinnen und Leser gäbe es gar keinen Grund, Bücher zu schreiben. Also: Danke, dass Ihr unsere Gedanken aufs Sofa, in den Urlaub und anderswohin mitnehmt. Wisst Ihr eigentlich, was das schönste Kompliment für ein neues Buch ist? Wenn vermehrt auch die etwas älteren gekauft werden. Das kann ja nur heißen, dass der jüngste Roman gut angekommen ist und spornt enorm zum Weitermachten an!

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview und wünsche Dir alles Gute. Und in dieser sehr seltsamen Zeit vor allem auch: Bleib gesund!

Du auch, liebe Claudia. Und hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Natürlich auf einer Buchmesse und nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr!

Hier geht’s zum aktuellen Buch „Sonnenplätze“

Eine Reise, eine Liebe und viel Nachdenkliches

Sonnenplätze – Anke Schläger

Karin und Friederike, Mutter und Tochter, reisen gemeinsam nach Florida, in einen Urlaub, den sie dringend nach dem Tod von Ehemann und Vater benötigen. Eigentlich hat Friederike keine grosse Lust auf diesen Urlaub, aber schliesslich willigt sie doch ein, merkt sie doch, dass es der Herzenswunsch ihrer Mutter ist.

Der Roman ist immer abwechelnd aus Karins und Friederikes Sicht erzählt. Beide beschreiben ihre Erlebnisse und Empfindungen sowohl aus Rückblicken als auch aus aktuellen Ereignissen. Der Leser erfährt, warum Friederike schwerhörig ist und warum Karin sich deshalb so große Vorwürfe macht. Er erfährt aber auch, warum Karin nie komplett glücklich während ihrer Ehe war und wie Friederike sich in Gary verliebt.

Anke Schläger hat in ihrer wunderbaren Schreibweise wieder eine Geschichte geschaffen, die unter die Haut geht. An vielen Teilen des Romans habe ich kurz innegehalten und nachgedacht. Denn wie oft verhält man sich ähnlich wie eine der beiden Protagonistinnen. Ist es das wirklich wert? Die Charaktere sind wunderbar lebensecht gezeichnet, man merkt, dass die Autorin die Schauplätze der Geschichte selber gut kennt und bereist hat. Neben den vielen nachdenklichen Momenten gibt es auch immer Stellen, an denen man schmunzeln muss. Und natürlich auch jede Menge fürs Herz. Ganz nebenbei hat sie die Gegend auf Sanibel wunderbar beschrieben und so neugierig auf dieses Fleckchen Erde gemacht. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger wird der Leser ausserdem auf die aktuelle Umweltproblematik aufmerksam gemacht.

Dieses Buch ist keins, das man „mal eben schnell“ wegliest. Man sollte sich Zeit nehmen, und auch zwischendurch Luft holen und reflektieren. Wer Lust auf eine Geschichte hat, die nicht nur oberflächlich erzählt ist, sondern die wirklich in die Tiefe geht, ohne anstrengend zu sein, der ist mit diesem Buch wunderbar bedient.

Ich bedanke mich für diesen Lesegenuss und vergebe sehr gern 5 strahlende Sterne!

Übrigens: Morgen erscheint hier ein Interview mit der Autorin!