Gefuehlvoller Roman – Gayromance

Gefühlsbaustelle – Nathan Jaeger

Joél, seines Zeichens Rettungssanitaeter, ist gluecklich mit Ulrich, dem Freund schon aus Kindertagen, zusammen. Gemeinsam mit ihrem Kumpel Joerg bilden sie ein unschlagbares Trio, bis ein Ereignis alles ueber den Haufen wirft.

Konstantin ist Pharmavertreter und unsterblich in Pascal verliebt, doch hat diese Liebe wirklich Bestand?

Dies ist der erste Roman, den ich von Nathan Jaeger gelesen habe, es wird aber sicher nicht der letzte sein. Gefuehlvoll beschreibt der Autor die Erlebnisse Joéls mit allen Hoehen und vor allem Tiefen. Empathisch beschreibt er Konstantin, der auf so viel verzichtet, um Pascal seine Liebe zu zeigen und ihn zu halten. Die Protagonisten sind sehr realistisch beschrieben, die Geschichte hat einen tollen Spannungsbogen, und einmal angefangen, mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zwar ist recht schnell klar, in welche Richtung sich die Story entwickeln wird, aber der Weg und die Entwicklung bis zum Ende sind wirklich toll geschrieben. Die Schauplätze der Geschichte sind detailgetreu, vor allem Konstantins Haus und sein Schwimmteich konnte ich mir wunderbar vorstellen.

Manchmal erzaehlt der Autor sehr blumig, dann wieder wird er „zackig“, insbesondere wenn es um die etwas prickelnderen Szenen geht. Genau das gibt dem Buch aber das besondere Etwas.

Gern spreche ich fuer dieses Buch eine Leseempfehlung aus, wer jedoch eindeutig sexuelle, homoerotische Szenen nicht mag, sollte dieses Buch nicht lesen. Von mir gibt es fuenf Sterne, weil ich mich wirklich gut unterhalten gefuehlt habe.

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Gut recherchierter historischer Roman

Als Werbung gekennzeichnet, da vom Verlag zur Verfuegung gestelltes Rezensionsexemplar

Das Kino am Jungfernstieg – Micaela Jary (Verlag Goldmann)

Lilli Paal, geborene Wartenberg, hatte schon frueh den Wunsch, einmal ins Filmgeschaeft einzusteigen. Immerhin wurde ihr die Filmbranche fast in die Wiege gelegt, da ihr Vater ein gutgehendes Kino am Jungfernstieg betrieb. Lilli hat diesen Wunsch auch in die Realitaet umgesetzt, sie arbeitet als Cutterin in Berlin und hat dort auch den zweiten Weltkrieg verbracht. Ihre Familie lebt weiterhin hin Hamburg – dort moechte Lilli schnellstmoeglich hin, da sie die Nachricht bekommen hat, ihre Mutter laege im Sterben. Sie erhofft sich die Hilfe eines britischen Filmoffiziers, vor allem, da sie weiss, wo sich lange verschollene Filmrollen befinden koennten, an denen dieser Offizier ein besonderes Interesse zu haben scheint.

Fuer den vorliegenden Roman wurde in meinen Augen hervorragend recherchiert. Nicht nur die speziellen Probleme der Berliner Buerger im ersten Nachkriegsjahr durch die Aufteilung der Stadt in die vier Zonen sind gut dargestellt, auch das Leben in Hamburg 1946/47 ist sehr realistisch beschrieben worden. Die Autorin beschreibt die Sorgen und Noete der Bevoelkerung, die Lebensmittelknappheit, die Stromsperren und alle anderen Widrigkeiten sehr nachvollziehbar. Aber auch die Hoffnung, die nach Kriegsende wieder aufkeimte, hat sie gut eingefangen. So darf in den Kinos bedingt wieder das Geschaeft aufgenommen werden, Tanzveranstaltungen finden zum Teil wieder statt und auch neue Filme werden endlich wieder produziert. Die Geschichte um Lilli Paal ist sehr spannend geschrieben, man kann deren Handlungen gut nachvollziehen und sich in ihre Geschichte hineinversetzen. Auch die uebrigen handelnden Personen machen einen sehr realistischen Eindruck. Als Leser fiebert man schnell mit, ob Lilli Sophie helfen kann, ob sie das Kino erhalten kann und auch, ob ihre Suche nach den Filmrollen Erfolg haben wird. Leider bleiben fuer mich ein paar Fragen offen und das Ende ist fuer mich nicht ganz befriedigend. Nichtsdestotrotz habe ich gern diesen Roman gelesen und mich in diese nicht selbst erlebte Zeit entfuehren lassen. Verbunden mit der Hoffnung, so etwas tatsaechlich selber nicht erleben zu muessen, denn das Buch ist in meinen Augen auch eine Mahnung.

Aufgrund der offenen Fragen gebe ich sehr gern vier Sterne und eine Leseempfehlung. Dem Verlag danke ich fuer das Rezensionsexemplar, meine Meinung wurde dadurch jedoch nicht beeinflusst.

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Ich moechte nach Sardinien!

Inseltürkis – Stina Jensen

Terry muss raus. Nachdem ihre grosse Liebe Matt fuer immer unerreichbar fuer sie sein wird und er jetzt auch noch eine neue Frau an seiner Seite hat, kann sie das kleine Guesthouse in Schottland nicht mehr mit ihm gemeinsam fuehren. Spontan bewirbt sie sich auf eine Stelle auf Sardinien – und bekommt sie auch. Doch direkt ihr erster Arbeitstag endet in einem Desaster, an dem der Hotelgast Josh, ein bekannter Rockstar nicht ganz unschuldig ist. Zum Glueck gibt es Toni, der ihr eine Stelle in der Campingpizzeria anbietet.

Stina Jensen ist mit diesem Roman ein unglaublich schoenes, leicht zu lesendes Buch gelungen. Man kann sich quasi an den Strand traeumen, riecht den Geruch nach Meer und Sonne und schmeckt den im Roman gern getrunkenen Limoncello auf der Zunge. Die Charaktere sind in meinen Augen sehr gut gezeichnet. Terry, die endlich auch mal unvernuenftig sein will, aber feststellt, dass es gar nicht so einfach ist, langgelebte Muster abzulegen. Toni, der einerseits seine Mutter unterstuetzen, andererseits aber auch sein eigenes Leben leben moechte. Und Josh, der es geniesst, mal nicht nur als Promi gesehen zu werden, sondern auch ganz private Zeit mit Terry und den anderen verbringen kann. Lediglich Andy ist furchtbar unsympathisch – aber das soll er ja auch sein.

Ich habe das Buch, einmal angefangen, in einem Rutsch durchgelesen. Denn bis zuletzt hat die Autorin es geschafft und die Spannung aufrechterhalten, fuer wen Terry sich entscheidet, oder ob sie nicht doch wieder zurueck zu Matt geht. Zwar tauchen im Buch sehr viele Nebenfiguren auf, doch sie haben alle ihre Daseinsberechtigung und geben dem Buch den gewissen Pfiff…

Inseltuerkis ist ein Sommerroman, wie er besser nicht sein koennte. Wenn man selber nicht in Urlaub fahren kann, hat man trotzdem ein paar Stunden das Gefuehl, Sardinien zu erleben!

Fuer diesen Lesegenuss gebe ich von Herzen gern fuenf leckere Limoncellos – oder anders ausgedrueckt – fuenf wohlverdiente Sterne.

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Herrlich spritziger Roman

Buschpilot und Babybrei – Babsy Tom und Ole Noack

Eva, promovierte Gynaekologin aus Leidenschaft, ist in Berlin so richtig in ein Fettnaepfchen getreten. Da sie mit der damit einhergehenden Schmach nicht leben moechte, beschliesst sie, fuer eine Weile nach Afrika in ein kleines Dorfkrankenhaus zu gehen, dem ein aelteres Ultraschallgeraet zur Verfuegung gestellt wird. Sie hofft, mit ihrer Arbeit dort genuegend Ablenkung zu finden. In Afrika angekommen stellt sie jedoch fest, dass sie sehr blauaeugig den neuen Kontinent in Angriff nimmt. Der Buschpilot Pit, der sie ins Dorf fliegen soll, muss ihr erstmal Essenzielles erklaeren und mit ihr einkaufen gehen.

Wie schon der Vorgaengerroman ist auch dieses Buch aus zwei Perspektiven geschrieben worden. Wir erleben zum einen Evas Geschichte, und zum anderen Pits Geschichte. Man kann wieder gut erkennen, dass hier nicht nur zwei Perspektiven beschrieben sind, sondern auch zwei Autoren am Werk waren. Beide Handlungsstraenge verweben sich oft und machen das Buch zu einem amuesanten Lesevergnuegen. Manche Wendungen erwartet man, einige sind aber voellig unerwartet.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es fuer mich: Zolas Geschichte wurde mir am Ende zu schnell, fast als wolle man zum Ende kommen, fertig erzaehlt. Ihr haette ich mehr Platz im Buch gewuenscht und nicht nur wenige Saetze im Epilog. Doch der Wermutstropfen ist so klein, dass er keinen Sternenabzug nach sich zieht.

Das Buch ist in sich abgeschlossen und laesst sich unabhaengig vom Vorgaengerband lesen. Wer aber ein paar Hintergruende wissen moechte, die im vorliegenden Buch eine (untergeordnete) Rolle spielen, dem sei „Maskenball und Mondscheinkuesse“ vorab ans Herz gelegt.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefuehlt, denn die Protagonisten sind durchweg sehr sympathisch, die Geschichte ist rund erzaehlt und es machte wirklich Spass, sie zu lesen. Deshalb vergebe ich sehr gern 5 Sterne fuer diesen Roman.

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Lesung Anne Barns und Annie Stone

Gestern hatte ich das grosse Vergnuegen, wieder eine Wohnzimmerlesung ausrichten zu duerfen. Aufgrund der doch recht angenehmen Temperaturen hatte ich mich jedoch entschlossen, aus der Wohnzimmer- eine Gartenlesung zu machen.

 


Gegen 15 Uhr ging es los, eine neugierige Zuhoererschaft wartete gespannt, was die beiden Autorinnen uns vorlesen wollten. Beide hatten sich entschlossen, aus verschiedenen Buechern zu lesen, die sie auch unter verschiedenen Pseudonymen geschrieben hatten. So kamen wir in den Genuss einer ganzen Bandbreite verschiedener Buecher und zum Teil auch verschiedener Genre.

 

 

So durften wir als erstes den Anfang aus „Honigduft und Meeresbrise“ von Anne Barns anhoeren, danach hat Annie Stone aus ihrem Buch „Em Evol“ gelesen, das sie als Anne Steen geschrieben hat. Nach einer zweiten Leserunde aus „Honigduft und Meeresbrise“ gab es eine Kaffeepause. Ich hatte wieder ein bisschen was vorbereitet, damit die Zuhoerer und natuerlich auch die Autorinnen fuer die zweite Leserunde staerken konnten. Nicht auf den Fotos – das Honigeis aus „Honigduft und Meeresbrise“, das ich ebenfalls vorbereitet hatte.

 

 

Die zweite Runde hat Annie Stone eingeleitet und aus „Limonadentage“ gelesen. Ihre Lesepause wurde gefuellt durch eine Lesung aus „Spätsommerfreundinnen“ von Andrea Russo – so der Klarname von Anne Barns. Eine letzte Leserunde gab es dann nochmal von Annie Stone aus „“Mein Leben als Superheldin“.

 

 

Natuerlich standen beide Autorinnen in der Pause und natuerlich auch vor und nach der Lesung fuer Fragen, Gespraeche und Signierwuensche zur Verfuegung.

Der Nachmittag ist wie im Flug vergangen, und ich glaube, es hat allen Beteiligten gut gefallen.

Herzlichen Dank den beiden netten Autorinnen fuer das Erlebnis – so manch eine Buchwunschliste ist gestern laenger geworden.

Danke auch an Andrea Salzberger fuer die tollen Fotos aus der ersten Reihe und dass ich sie hier verwenden darf!

Endlich wieder Portobellos – Abby

Bee mine – Liebe summt – Martina Gercke

Endlich geht es weiter mit den Portobello Girls! Diesmal bekommt Abby ihren grossen Auftritt. Abby, die taffe Polistizin im Dienste Ihrer Majestaet, der Koenigin, wie sie selber so gern sagt. Eigentlich liebt sie diesen Job ueber alles – doch dann bekommt sie einen neuen Kollegen, der machohafter kaum sein kann. Er macht ihr das Leben zeitweise ziemlich schwer. Aber als Ausgleich zum Job betreut Abby Jugendliche, die es nicht einfach haben im Leben. Gemeinsam mit ihnen betreut sie Bienen, sie kuemmern sich um den Bienenstock und planen Veranstaltungen, um Spendengelder zur Fortfuehrung und Erweiterungen ihrer Projekte zu erhalten. Ausserdem tritt ein fescher Feuerwehrmann in Abbys Leben. Aber hat er da ueberhaupt Platz?

Lange habe ich auf diesen Roman gewartet – war ich doch gespannt, was Martina Gercke sich bei Abby fuer eine Geschichte ueberlegt. Und ich bin wirklich nicht enttaeuscht worden. Denn die Story ist genau so, wie sie fuer Abby passend ist. Ihre Arbeit mit den Jugendlichen zeigt sie von einer tiefgruendigen, ernsten Seite, ihre Probleme mit dem neuen Kollegen zeigt sie aus ihrer gewohnt flappsigen, taffen Seite. Meiner Meinung nach hat die Autorin genau die Geschichte um Abby gesponnen, die zu einhundert Prozent passend ist. Denn Abby ist ja schon ein klein wenig anders als die uebrigen Portobello Girls. Mode ist fuer sie voellig uninteressant und auch Haushalt, Kueche, Kinder etc sind bei ihr nicht oberste Priorität. Und genau das macht den Roman so lesenswert. Es passieren Dinge, die ich nicht erwartet habe – die aber herrlich zum schmunzeln geeignet sind. Der ernste Hintergrund der Arbeit mit den Jugendlichen beleuchtet einen anderen Aspekt, drueckt dem Buch aber keine ernste Stimmung auf, sondern laesst tatsaechlich nur ein wenig nachdenklich werden. Auch diese Episoden sind sehr gut in den Verlauf der Geschichte eingebunden.
Last but not least: die anderen Portobello Girls haben natuerlich auch wieder ihre Auftritte und es ist schoen, die altbekannten Charaktere wiederzutreffen. Ebenso darf eine gehoerige Portion Liebe in keinem der Portobello-Romane fehlen. Auch hier finden wir diese wichtige Zutat zu einem gelungenen Buch!

Martina Gercke hat wieder eine grossartige Fortsetzung der Portobello-Girls geschrieben. Das Buch ist in sich abgeschlossen und unabhaengig von den anderen zu lesen, zum besseren Verstaendnis und zur besseren Kenntnis der anderen Charaktere bietet es sich jedoch an, die Vorgaengerbuecher ebenfalls zu lesen.

Herzlichen Dank fuer den Lesegenuss, ich habe das Buch, einmal angefangen, nicht mehr beiseite legen wollen und war traurig, als ich die letzten Worte quasi inhaliert hatte. Von mir gibt es daher fuenf strahlende Sterne und eine glasklare Leseempfehlung!

beemine

 

Liebe trifft auf aktuelle Problematik

strong wash – zu heiß geschleudert – M.L. Busch

Mia ist Studentin und arbeitet nebenbei im Waschsalon ihrer Mutter. Doch wirklich gluecklich ist sie damit nicht. Als sie dort Adam kennenlernt, der in einer exklusiven Villa lebt und dort keine Miete zahlen muss, ist sie neugierig geworden. Es dauert nicht lange, und sie zieht auch in die WG in der Villa ein – nicht ahnend, was auf sie zukommt und warum sie keine Miete zahlen muss.

Dieser Roman ist so ganz anders als alles, was man bisher von M.L. Busch kennt. Anders, aber gut! Zum einen entspannt sich zwischen Mia und Adam eine zarte Liebesgeschichte. Hier hat die Autorin es wunderbar geschafft, die noch recht jugendliche Naivitaet von Mia einzufangen, und auf der anderen Seite die Zerissenheit von Adam, der sich einerseits den Mitbewohnern der Villa verpflichtet fuehlt, andererseits aber ausschliesslich zu Mia gehoeren moechte. Der zweite grosse Aspekt dieses Romans ist die vorherrschende Wohnungsknappheit bzw. die fuer manche Personen kaum aufzubringende Miete. Hier taucht im Roman Augustus Stan auf, der Unternehmer und Besitzer der Villa, der die WG zwar kostenlos wohnen laesst, im Gegenzug aber Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Und die Bewohner der WG lassen sich mehr oder weniger freiwillig auf diese Dienstleistungen ein. Wer jetzt jedoch direkt an das Thema Sex denkt, liegt hier dann doch falsch.

Oft habe ich mich ueberraschen lassen von den unerwarteten Wendungen des Romans. Oft dachte ich „ja klar, jetzt ist vorhersehbar, was passiert“ – und fast genauso oft lag ich voellig falsch.

Dieser Roman ist sicherlich kein Buch, das sich „mal eben“ weglesen laesst. Ich jedenfalls habe es zwischendurch immer mal aus der Hand gelegt und wirken lassen. Hier merkt man deutlich, dass man eben nicht nur einen Liebesroman in der Hand hat, sondern durchaus zeitkritische Toene herauslesen darf. Sehr gut fand ich das Nachwort von Lena, die Stellung bezogen und auf „Tausche Bildung für Wohnen e. V.“ verwiesen hat.

Wer sich also nicht nur ein paar Stunden nett ablenken, sondern auch zum Nachdenken anregen lassen moechte, dem empfehle ich dieses Buch von ganzem Herzen. Denn neben allen kritischen Untertoenen ist die Geschichte tatsaechlich sehr humorvoll, sehr spannend und sehr wendungsreich erzaehlt. Und natuerlich nimmt die Liebesgeschichte zwischen Mia und Adam einen grossen Raum ein.

Von mir gibt es sehr gern 5 funkelnde Waschmuenzen fuer den Waschsalon (oder um es in altbekannter Sprache zu nennen: 5 strahlende Sterne)

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