Verliebt in Schottland

Liebe ungeplant – Martina Gercke

Julia Moore betreibt gemeinsam mit ihrem besten Freund Victor eine Hochzeitsagentur. Aktuell soll sie Tessas Hochzeit auf einem schottischen Landsitz planen. Zum Tortentasting bringt Tessa statt ihres Verlobten Rob ihren Bruder Logan mit – und es kommt, wie es kommen muss. Zwischen Logan und Julia funkt es gewaltig. Doch Julia hat sich geschworen, niemals etwas mit der Verwandtschaft von Kunden anzufangen. Ausserdem hat sie das Problem, dass ihre Geschäftsräume verkauft wurden und die Agentur nun vor einer ungewissen Zukunft steht.

Die Autorin hat es mal wieder wunderbar geschafft, eine prickelnde Liebesgeschichte in einer traumhaften Kulissen spielen zu lassen. Logan im Kilt – man sieht ihn förmlich vor sich. Die Charaktere sind, wenn man mal von Onkel Angus und seinen Söhnen absieht, durch die Bank sehr sympathisch und authentisch. Amy, Julias beste Freundin, hat mir mit ihrer übersprudelnden Lebensfreude besonders gut gefallen, aber auch Julias Kampfgeist macht Lust auf mehr. Martina Gercke hat die beiden Handlungsstränge, zum einen die Hochzeit und die Geschichte rund um Logan, zum anderen die Probleme mit dem Verkauf der Geschäftsräume, wunderbar verknüpft. Der Leser schwebt also nicht ständig nur auf „Rosa Wolken“ (so der Name der Hochzeitsagentur), sondern er wird mitgenommen in den Alltag und die Probleme rund um die Geschäftsräume. Aber natürlich wird alles am Ende, so, wie ich es von einem Liebesroman erwarte, wunderbar aufgelöst und geklärt.

Wer ein paar schöne Stunden in Schottland verbringen möchte, dem lege ich dieses Buch gern ans Herz. Wer die Geschichten um die Portobello-Girls kennt, begegnet in diesem Roman im übrigen liebgewonnenen Figuren. Ich hoffe, die Andeutungen, die im Roman fallen, werden demnächst in einem neuen Buch aufgedröselt. Natürlich gebe ich von Herzen gern eine Leseempfehlung und bewerte das Buch mit fünf Sternen.

Zerrissen – Michael Tsokos

Letzte Woche erreichte mich Post der Verlagsgruppe Droemer Knaur . Ein Brief und ein Schlüsselanhänger in Form eines Boxhandschuhs. In diesem Boxhandschuh steckte ein Papierstück. Augenscheinlich ein Fragment eines Obduktionsberichtes. Was hat das wohl zu bedeuten?

Gestern lag wieder ein Brief in meinem Briefkasten. Wieder ein Schreiben vom Knaur-Verlag, zusammen mit einem Buch und einem Döschen …

Natürlich war ich neugierig und habe sofort das Döschen geöffnet!

Der Rest des Obduktionsberichtes kam zum Vorschein! Holla! Das liest sich ziemlich brachial! Was ist da wohl mit dem Opfer passiert? Tja – das wird man wohl nur rausfinden, wenn man das Buch „Zerrissen“ von Michael Tsokos liest. Ich wünsche viel Spass dabei!

Wohnzimmerlesung Tanja Hagen

Endlich war es mal wieder soweit – ich hatte eine kleine, aber sehr feine Wohnzimmerlesung organisiert. Die Autorin Tanja Hagen hat mich besucht und vor kleinem, ausgewähltem Publikum aus drei ihrer Bücher vorgelesen.
Zum Einstieg gab es ein paar Szenen aus „Poison – Liebe neben dem Fadenkreuz„, dem ersten Band ihrer Serie über die IATF, einer fiktiven internationalen Anti-Terror-Einheit. Da jeder Band in sich abgeschlossen ist, war es kein Problem, den Sprung zum 16. Band dieser Serie zu wagen. „Operation Protected“ ist gerade vor einer Woche erst erschienen. Noch exklusiver wurde es, als Tanja Hagen ein paar Seiten aus dem nächsten Buch vorgelesen hat. „Judicantes“ wird erst am 1.12. erscheinen und die Gäste der Wohnzimmerlesung waren die ersten, die überhaupt ein bisschen was aus diesem Buch erfahren haben. Alle Bücher sind übrigens eine Genremischung aus Romantic Suspence und Military Romance. Auch bei den vorgelesenen Ausschnitten kamen weder die Spannung noch die Romantik zu kurz.Natürlich stand die Autorin nach der Lesung für Fragen zur Verfügung und hat auch Signierwünsche gern erfüllt.

Meinen Gästen und der Autorin danke ich herzlich für den tollen Nachmittag!

Kleines Autoren- und Bloggertreffen

Meine Bloggerkollegin Ulla hatte zu einem kleinen Autoren- und Bloggertreffen eingeladen. Da aufgrund der aktuellen Situation nicht so arg viele Personen bei diesen Treffen anwesend sein sollten, beschränkte sich unsere Runde auch auf einen kleinen Kreis. Neben Ulla war ich als Bloggerin aus unserem Bloggerteam – Die Drei vom Niederrhein anwesend. Mitgebracht hatte ich außerdem meine Tochter Josephine, die als Nachwuchsbloggerin hier auf meinem Blog ab und an Beiträge verfasst und auf Instagram ihren eigenen Blog aufbaut.
Ebenfalls eingeladen war das Autorenpaar Horst und Julia Drosten, Kerstin Lange, Brigitte Lamberts und Stefanie Hohn.
Mit Kuchen und leckerem Kaffee hat uns Ullas Mann Wolfgang herrlich verwöhnt.

Natürlich haben wir uns ganz viel über Bücher unterhalten. Aber ich glaube, noch mehr haben wir es genossen, uns mal wieder persönlich sehen zu dürfen. Dank Corona sind ja bisher alle Buchmessen ausgefallen, und auch Frankfurt steht in diesem Jahr nicht in meinem Kalender. Da fand ich es sehr schön, mal wieder ein paar liebe Menschen persönlich zu treffen und mit ihnen über dies und das zu plaudern. Da Ulla in ihren Garten geladen hatte und wir dadurch an der frischen Luft war, mussten wir nicht mit Masken sitzen, sondern durften recht entspannt (sofern man das bei den aktuellen Temperaturen kann) am Gartentisch sitzen.

Ganz besonders gefreut hat sich Josephine, weil sie von den Drostens ein signiertes Exemplar der „Honigprinzessin“ geschenkt bekommen hat. Aber auch die Gespräche mit den anderen Autorinnen hat sie sehr genossen.

Liebe Ulla, Danke für den wirklich wundervollen Nachmittag! Und auch Deinem Mann einen herzlichen Dank für die leckere Verpflegung.

Autoreninterview Anke Schläger

Liebe Anke,

ganz lieben Dank zunächst, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Aus Deiner Vita geht hervor, dass Du seit mehr als zwanzig Jahren in der Unternehmenskommunikation arbeitest. Studiert hast Du jedoch Germanistik, Politikwissenschaft und Pädagogik. Auf den ersten Blick nicht unbedingt Studienfächer, die mit Deinem Job in Verbindung gebracht werden. Wie bist Du vom Studium und Volontariat in diesen Bereich gekommen?
Ich finde, das hat sich alles prima ergänzt. Aus dem Studium und der Zeit bei einer Tageszeitung habe ich eine Menge mitgenommen, das ich immer noch gebrauchen kann: vor allem, wie man Informationen zusammenträgt, ordnet und am Ende etwas Lesbares daraus macht. Lebensnahe Geschichten haben mir immer viel Spaß gemacht. Und das, was beim Romanschreiben „Show, don’t tell“ heißt, lernt man ziemlich gut beim Schreiben von Zeitungsreportagen. In meinem Hauptjob setze ich das auch um. Da geht es oft um Texte zu technischen oder wissenschaftlichen Themen, die für Leser von Fachzeitschriften leicht verständlich sein sollen.

Durch Deinen Hauptjob bist Du ja nicht Vollzeit-Autorin. Würdest Du gern mehr schreiben und den Hauptjob an den Nagel hängen, oder soll die Autorentätigkeit weiterhin nebenberuflich bleiben?
Mein restliches Berufsleben komplett am heimischen Schreibtisch verbringen? Nein, danke. Der regelmäßige Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen würde mir fehlen. Das merke ich jetzt schon im Corona-bedingten Home Office. Außerdem kommen mir in meinem normalen Job auch regelmäßig Ideen, die ich für meine Bücher verwenden kann. Und von bisher drei veröffentlichten Romanen im Selfpublishing kann kaum jemand leben – ich jedenfalls nicht. Darum werde ich wohl Autorin im Nebenberuf bleiben, wie so viele Schriftsteller, die andere Einkommensquellen haben.

Gibt es einen zweiten Traumberuf, den Du gern gelernt / ausgeübt hättest? Und was hat Dich dazu bewogen, den aktuellen Weg einzuschlagen?
Ganz früher habe ich mit einem Studium der Archäologie geliebäugelt, weil ich schon als Zwölfjährige alles verschlungen habe, was mit den Pharaonen im alten Ägypten zu tun hatte. Aber das erschien mir dann doch reichlich realitätsfern. Das Schreiben von Romanen auch, deshalb habe ich meine ersten Geschichten heimlich aufgeschrieben und versteckt. Ich war stolz wie Oskar, als in der Lokalzeitung meiner Heimatstadt die ersten Artikel erschienen, über denen mein Name stand … Das war 1985.


Deine Bücher sind Gegenwartsromane, die immer mit einer großen Portion Humor daherkommen, die aber nie oberflächig sind, sondern sehr in die Tiefe gehen. Du sprichst auch kritische und problematische Themen an, jedoch nie mit einem erhobenen Zeigefinger. Verarbeitest Du viel Autobiographisches, oder ist tatsächlich alles Fiktion?
Ich schaue mich gern in der nächsten Umgebung um. Auf meinen Debüt-Roman bin ich gekommen, weil ich mich – wie eine meiner Hauptfiguren – am Tag vor Heiligabend gründlich verfahren und dabei eine Frau mit einem kleinen  Jungen gesehen habe. Vermutlich Mutter und Sohn, die aus einem Haus stürmten. Du kennst „Festtagsgäste“ ja und weißt, was daraus geworden ist. „Taktgefühle“ knüpft daran an und ist in einer Zeit entstanden, in der meine Tochter häufig Klavier gespielt hat. Und „Sonnenplätze“ ist ein Mutter-Tochter-Roman. Da ist so manche Szene hineingerutscht, in der ich mich wiedererkenne. Aber das Allermeiste ist Fiktion. Ich habe wirklich nie in einer niederländischen Ausnüchterungszelle übernachtet oder eine amerikanische Ferienanlage geleitet, und Motorrad fahren kann ich auch nicht.

Deine ersten beiden Bücher spielen in Deutschland, in Ostwestfalen, wo Du lebst. „Sonnenplätze“ dagegen spielt in Florida. Was hat Dich bewogen, Deine Geschichte mal in einer völlig anderen Gegend spielen zu lassen?
Der Ostwestfale bleibt ja nicht ein Leben lang auf seiner Scholle. In Florida und auch in einigen anderen Gegenden der USA war ich mit meiner Familie oft. Eine erste vage Idee zu diesem Roman entstand während unseres letzten Urlaubs auf Sanibel Island, als wir die starken Regenfälle erlebten und am Strand tatsächlich ein kleiner Alligator herumlief. Wir waren noch nicht lange wieder zu Hause, als der Hurrikan „Irma“ über die Insel hinwegfegte – und seitdem wollte ich daraus etwas machen. Im Roman geht es auch um eine sowjetische Militärmission, die es in Ostwestfalen tatsächlich gab, und auf Sanibel Island genießen bis heute etliche ehemalige CIA-Agenten ihren Ruhestand. So war die Verbindung zu meiner Heimat schnell geknüpft.
Kleiner Spoiler: In meinem nächsten Roman werden die Hauptfiguren genauso wenig in Deutschland bleiben. Es geht dann auf eine Insel in Südeuropa, die auch nicht Jeder kennt.


Gibt es noch ein Genre, was Dich besonders reizt, in dem Du gerne mal etwas schreiben würdest?
Ja, ich habe schon ein erstes Exposé zu einem Krimi niedergeschrieben. Aber dazu muss ich an einigen Stellen vor Ort recherchieren, und das ist während der Corona-Zeit schwierig.

Wie bereitest Du Dich auf ein neues Buchprojekt vor?
Ich habe eine dicke Mappe, in der alle spontanen Einfälle landen, und ein Notizbuch für zwischendurch. Das wird alles durchsucht, sobald es eine erste Idee gibt, Brauchbares auf einen Haufen geschichtet und ein Pitch geschrieben. Dann skizziere ich die Haupt- und die wichtigsten Nebenfiguren, ein Exposé entsteht und auch ein grober Kapitelplan.

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Bücher?
Überallher. Aus der Umgebung, der Zeitung, dem Fernsehen, und gar nicht so selten bringt mich auch ein Lied auf eine Idee – zum Beispiel für den Titel „Sonnenplätze“.

Wie lange benötigst Du für ein Buch?
Länger als ein Jahr, weil ich ja nicht hauptberuflich schreibe und auch vieles andere selbst in die Hand nehme wie den Printbuchsatz und die Pflege meiner Website. Mit „Sonnenplätze“ habe ich im Herbst 2018 begonnen und in diesem Frühjahr veröffentlicht.

Schreibst Du „aus dem Bauch heraus“, oder plottest Du vorher?
Meinen ersten Roman habe ich weitgehend aus dem Bauch heraus geschrieben. Den zweiten habe ich äußerst akribisch geplottet. Den dritten auch – und dann nach etwas mehr als der Hälfte einen Großteil meines schönen Kapitelplans komplett verworfen. Da haben sich die Figuren selbstständig gemacht, und ich hatte plötzlich viel mehr Spaß am Schreiben als zuvor. Beim vorgesehenen Schluss ist es allerdings geblieben.
Konsequenz daraus: Das Exposé und den Kapitelplan zum vierten Roman habe ich erst fertiggestellt, als ich schon drei Kapitel beisammen hatte. Ich musste mich ein bisschen dazu zwingen und habe mir von einem Tag zum anderen vorgenommen „morgen fängst du damit aber an“. Nun ist das Ganze für mich eine Rückversicherung, dass ich diesen Roman zu Ende bringen kann. Aber wenn mir unterwegs etwas Besseres einfällt, ist es auch gut. Beruhigend: Mein Lektor weiß, was ich diesmal vorhabe, und von ihm gab’s grünes Licht.

Du hast bisher als Selfpublisherin veröffentlicht. Möchtest Du in dem Bereich bleiben, oder würdest Du lieber als Verlagsautorin schreiben und wieso ist Deine Wahl so?
Einerseits würde ich meine Bücher sehr gern in allen Buchhandlungen sehen. Welcher Autor träumt davon wohl nicht? Eine professionelle Zusammenarbeit mit einem Verlag würde meinen Büchern garantiert mehr Aufmerksamkeit einbringen.
Andererseits führt der Weg zu einem Verlag in aller Regel über Literaturagenturen. Mit meinem ersten Roman habe ich viel Zeit für die Agentursuche verwendet, zu viel, wie ich heute weiß – denn die Erfahrungen waren nicht gut. Und die Coronakrise dürfte eher dazu führen, dass Agenturen lieber auf bekannte Namen setzen als auf neue Autoren, deren Aufbau immer auch ein Risiko bedeutet. Außerdem schreibe ich bislang nicht innerhalb der Genres, die für Agenturen spannend sind, weil sie den kommerziellen Erfolg versprechen: Humor, Liebe, Erotik oder Krimi.
Trotzdem würde ich mich freuen, wenn eine Agentur oder ein Verlag an einer langfristigen Zusammenarbeit mit mir interessiert wäre. Die Themen, über die ich schreibe, möchte ich aber weiter selbst auswählen, und das ist für mich ein wesentlicher Vorteil des Selfpublishing. Ganz falsch liege ich mit meinen Ideen wohl nicht. Sonst wäre „Sonnenplätze“ kaum auf Platz 30 der e-book-Bestsellerliste von Thalia gelandet, zwischen vielen bekannten Verlagstiteln.  

Hast Du Tipps für junge Autorinnen und Autoren, die gern ein Buch veröffentlichen würden?
Lasst Euch nicht bange machen und habt viel Geduld. Bange machen wollen einen nämlich vor allem Menschen, die damit bares Geld verdienen. Zum Beispiel Agenturen, die eine Vertretung in Aussicht stellen, wenn man zuvor bei der hauseigenen Schreibschule einen Kurs absolviert. Darauf habe ich lieber verzichtet. Und nicht jeder Tipp im Selfpublishing passt für alle. Ich habe mir diesmal Kindle Unlimited gespart und „Sonnenplätze“ auch nie für 99 Cent verkauft. Trotzdem habe ich von diesem Roman in drei Monaten mehr Exemplare verkauft als von den anderen beiden. Dafür ein dickes „Dankeschön“ an das Team von tolino media, denn ohne die tolle Zusammenarbeit hätte das nicht funktioniert.
Geduld braucht man mit sich selbst, wenn man mal wieder glaubt, überhaupt nicht schreiben zu können, nur weil man irgendwo stecken geblieben ist. Romanfiguren entwickeln sich mit der Zeit, die müssen nicht von Anfang an „rund“ sein.
Und von den bombastischen Zahlen, die andere Autoren einem manchmal ungefragt um die Ohren hauen, muss man sich auch nicht allzu sehr beeindrucken lassen. Besser nachfragen, wie viele Bücher vergünstigt und wie viele zum vollen Preis verkauft worden sind. Quantität allein sagt nicht unbedingt etwas über den Erfolg aus.
 

Jetzt habe ich noch ein paar persönlichere Fragen, damit die Leser Dich als Person noch ein bisschen näher kennenlernen können:
Wie, wo und wann schreibst Du am liebsten?
Ganz schnöde am Schreibtisch, vor einem großen Bildschirm, auf dem ich alles gut lesen kann. Bei schönem Sommerwetter und nach Sonnenuntergang setze ich mich mit dem Laptop auch manchmal auf die Terrasse, vor allem nach einem Tag im Home Office. Wenn ich mir die Zeit selbst einteilen kann, schreibe ich morgens, weil der Kopf dann noch frei ist.  

Was ist Dir beim Schreiben als Arbeitsumgebung wichtig?
Meine Ruhe, etwas zu Trinken und Kaugummi, um das Hirn auf Touren zu bringen.

Welches Genre liest Du selber am liebsten? Hast Du Autorenvorbilder oder Autoren, die Du besonders gern liest?
Im Moment lese ich gern ähnliche Romane, wie ich sie selbst schreibe: von deutschen Autorinnen wie Dörte Hansen, Sybil Volks oder Dora Heldt, in denen es um Familienbande und Freundschaften geht. Ich mag authentische Figuren lieber als superstarke Frauen und ihre Traummänner. Gerade finde ich auch zu Büchern zurück, von denen ich nur wenige Seiten täglich lese, die dafür aber länger im Gedächtnis bleiben – etwa von Benedict Wells.  

Und: Was sind Deine Freizeitaktivitäten, wenn Du nicht schreibst?
Musik hören und dabei kochen (oder umgekehrt), lesen, fotografieren, neuerdings auch wieder häufiger Radfahren.

Das waren jetzt eine Menge Fragen. Aber vielleicht habe ich ja eine oder mehrere für Dich wichtige Fragen gar nicht gestellt? Gibt es etwas, das Du den Lesern gern noch mitgeben oder erzählen möchtest?
Ohne Euch Leserinnen und Leser gäbe es gar keinen Grund, Bücher zu schreiben. Also: Danke, dass Ihr unsere Gedanken aufs Sofa, in den Urlaub und anderswohin mitnehmt. Wisst Ihr eigentlich, was das schönste Kompliment für ein neues Buch ist? Wenn vermehrt auch die etwas älteren gekauft werden. Das kann ja nur heißen, dass der jüngste Roman gut angekommen ist und spornt enorm zum Weitermachten an!

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview und wünsche Dir alles Gute. Und in dieser sehr seltsamen Zeit vor allem auch: Bleib gesund!

Du auch, liebe Claudia. Und hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Natürlich auf einer Buchmesse und nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr!

Hier geht’s zum aktuellen Buch „Sonnenplätze“

Eine Reise, eine Liebe und viel Nachdenkliches

Sonnenplätze – Anke Schläger

Karin und Friederike, Mutter und Tochter, reisen gemeinsam nach Florida, in einen Urlaub, den sie dringend nach dem Tod von Ehemann und Vater benötigen. Eigentlich hat Friederike keine grosse Lust auf diesen Urlaub, aber schliesslich willigt sie doch ein, merkt sie doch, dass es der Herzenswunsch ihrer Mutter ist.

Der Roman ist immer abwechelnd aus Karins und Friederikes Sicht erzählt. Beide beschreiben ihre Erlebnisse und Empfindungen sowohl aus Rückblicken als auch aus aktuellen Ereignissen. Der Leser erfährt, warum Friederike schwerhörig ist und warum Karin sich deshalb so große Vorwürfe macht. Er erfährt aber auch, warum Karin nie komplett glücklich während ihrer Ehe war und wie Friederike sich in Gary verliebt.

Anke Schläger hat in ihrer wunderbaren Schreibweise wieder eine Geschichte geschaffen, die unter die Haut geht. An vielen Teilen des Romans habe ich kurz innegehalten und nachgedacht. Denn wie oft verhält man sich ähnlich wie eine der beiden Protagonistinnen. Ist es das wirklich wert? Die Charaktere sind wunderbar lebensecht gezeichnet, man merkt, dass die Autorin die Schauplätze der Geschichte selber gut kennt und bereist hat. Neben den vielen nachdenklichen Momenten gibt es auch immer Stellen, an denen man schmunzeln muss. Und natürlich auch jede Menge fürs Herz. Ganz nebenbei hat sie die Gegend auf Sanibel wunderbar beschrieben und so neugierig auf dieses Fleckchen Erde gemacht. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger wird der Leser ausserdem auf die aktuelle Umweltproblematik aufmerksam gemacht.

Dieses Buch ist keins, das man „mal eben schnell“ wegliest. Man sollte sich Zeit nehmen, und auch zwischendurch Luft holen und reflektieren. Wer Lust auf eine Geschichte hat, die nicht nur oberflächlich erzählt ist, sondern die wirklich in die Tiefe geht, ohne anstrengend zu sein, der ist mit diesem Buch wunderbar bedient.

Ich bedanke mich für diesen Lesegenuss und vergebe sehr gern 5 strahlende Sterne!

Übrigens: Morgen erscheint hier ein Interview mit der Autorin!

Lesen und damit Gutes tun

Ich durfte ja letzthin die Autorin Iris Antonia Kogler vorstellen. Im Nachgang zu unserem Interview hat sie mir dann etwas erzählt, was ich gern publik machen möchte, denn ich finde es grossartig!

Die Autorin hat aktuell ihr Buch „Von Menschen: Kurzgeschichten“ auf 99 Cent reduziert, damit möglichst viele Menschen dieses Buch kaufen. Aber nicht, damit sie sich bereichern kann, sondern weil sie den Erlös, der durch den reduzierten Verkaufspreis eingespielt wird, der Aktion Lichtblicke e.V. spenden möchte. Lichtblicke wurde 1998 von 45 Lokalradios ins Leben gerufen und hilft in Not geratenen Familien. Ich finde, das muss unterstützt werden! Und weil wirklich was zusammenkommen soll, ist das Buch bis Ende Oktober reduziert!

Hier geht’s zum Buch…

Hier geht’s zum Autoreninterview…

Hier geht’s zu Aktion Lichtblicke e.V.

Autoreninterview – Iris Antonia Kogler

Liebe Iris,

ganz herzlichen Dank zunächst, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Aus Deiner Vita geht nicht wahnsinnig viel hervor. Du hast eine Ausbildung zur Theaterdramaturgin gemacht, und danach fand man Dich hauptsächlich im handwerklichen Bereich wieder. Als Ausstellungstechnikern, und beim Messe- und Bühnenbau. Da ist doch sicherlich ein riesiger Unterschied in der Arbeitsweise. Was macht für Dich das Besondere am handwerklichen Arbeiten aus? Oder würdest Du gern wieder als Dramaturgin arbeiten?Ich mochte Handwerk schon immer und wurde auch sehr pragmatisch erzogen. Als ich bei meinen Eltern auszog, um auf die Theaterakademie zu gehen, lief mein Vater in seinen Keller, kam kurze Zeit später wieder hoch und drückte mir ein paar Schraubenzieher, eine Zange, einen Hammer und noch Kleinzeug wie Nägel und Schrauben  mit dem Kommentar in die Hand: So Kind, jetzt musst du alleine für dich sorgen.
Ich war nie der Typ, dem es leicht fällt, sich an den Tisch zu setzten und zu lernen. Eigentlich seltsam, dass ich dann Dramaturgie studiert habe – ist ja erst einmal etwas sehr theoretisches und trockenes.  Danach ging ich ans Theater, fühlte mich heimlich aber immer eher hinter die Bühne gezogen. Ich mochte die Werkstätten viel lieber als den dunklen Theatersaal oder das Büro. Irgendwann arbeitete ich im Archiv eines Museums, und plötzlich brauchte man jemanden, der beim Aufbau einer Ausstellung mithalf. Da war ich zur Stelle. Und ab da ging der Weg Richtung Messe- und Bühnenbau. Ab diesem Zeitpunkt begann ich nach einer sehr langen Pause auch wieder zu schreiben.  Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Ans Theater möchte ich nicht mehr zurück. Mir gefällt mein Leben so, wie es heute ist. Nun … vielleicht komme ich als Autorin eines Theaterstücks wieder mit dem Theater in Kontakt, aber das erarbeite ich ja nicht im Theater sondern an meinem Schreibtisch.

Durch Deinen Hauptjob bist Du ja nicht Vollzeit-Autorin. Würdest Du gern mehr schreiben und den Hauptjob irgendwann an den Nagel hängen, oder soll die Autorentätigkeit weiterhin nebenberuflich bleiben?
Auf keinen Fall würde ich meinen Job aufgeben. Inzwischen arbeite ich halbtags als Lageristin und nicht mehr als selbstständige Monteurin oder in der Kultur. Nach meinem unsteten Leben ohne Feiertage oder Wochenenden ist das nun ein Tagesablauf, der mir sehr viel Raum und Freiheit gibt. Und Sicherheit. Ich bekomme pünktlich meinen Lohn und bin versichert. Aber das Schöne an meinem Job ist, dass ich die ganze Zeit in Bewegung bin. Vier Stunden lang wuppe ich Kühlschränke, Spülmaschinen oder sonst irgendwelche Dinge und muss mir unheimlich viel merken und sortieren. Ich trainiere also Muskeln und Gedächtnis und bekomme sogar Geld dafür. Ich habe am Wochenende frei und muss auch nicht bis 23.00 Uhr (am Theater üblich) oder in der Nacht (beim Bühnenbau üblich) arbeiten. Ab 14.00 Uhr bin ich Autorin. Montags sogar ganztägig. Ich arbeite also mehr als Autorin denn als Lageristin. Das ist ein sehr schönes, ausgeglichenes Leben, das ich nur ungern ändern würde.

Gibt es einen zweiten Traumberuf, den Du gern gelernt / ausgeübt hättest? Und was hat Dich dazu bewogen, den aktuellen Weg einzuschlagen?
Ich wollte das Sandmännchen werden, wenn ich mal groß bin. Das erzählt die ganze Zeit Geschichten. Das habe ich schon als Kind gern gemacht. Und ich wollte Weltenbummlerin werden, aber meine Mutter erklärte mir, dass man auch mit irgendwas Geld verdienen muss. So landete ich bei der Schriftstellerei, denn schreiben kann man rein theoretisch von überall aus. Nun ja, es kann nur ein Sandmännchen geben, von daher wurde ich eben eine Schriftstellerin, die ihren Bewegungsdrang beim Herumtragen von  Kühlschränken und Spülmaschinen auslebt. Nach einigen Umwegen lebe ich also meinen Traumberuf voll aus.

Du bezeichnest Deine Bücher als Gegenwartsliteratur. „Meerestiere“ hätte ich sogar als Fabel eingestuft, denn der im Fisch „versteckte“ Vater ist ja eher als Synonym zu verstehen. Woher nimmst Du Deine Ideen?
Früher schrieb ich sehr abstrakt, heute bin ich mit meiner Literatur nah am Leben und der Realität. Ich sammle einfach ständig Informationen. Das können Zeitungsartikel, Fernsehbeitrage, Beobachtungen auf der Straße, Begebenheiten in der Familie oder bei Freunden sein. Die Geschichten formieren sich in ihren Grundzügen meist von selbst in meinem Kopf – und belegen irgendwann zu viel Speicherplatz. Durch das Aufschreiben werde ich sie los. Deshalb sind meine Bücher auch nur knapp über 200 Seiten lang. Ich habe einfach zu viele Geschichten in meinem Kopf, da kann ich keine großen Wälzer schreiben. Die Geduld hätte ich auch nicht.

Neben der Gegenwartsliteratur hast Du jetzt unter dem offenen Pseudonym Iris Antonia Paul gemeinsam mit Oona Thim ein wundervolles Kinderbuch, „Sandkörnchens spannender Tag auf Norderney“ geschrieben. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Oona Thim hat eine kleine Tochter, die den Kinderbuchklassiker „Mein Esel Benjamin“ für sich entdeckte. Das Buch verkauft sich noch heute und die Kinder lieben es so, wie wir damals. Da Oona Fotografin ist, dachte sie sich, sie könnte eine Bildergeschichte fotografieren, mit der Tochter als Hauptcharakter.  Die Kleine fand die Idee eines eigenen Bilderbuches toll, mochte aber nicht vor die Kamera. Daraufhin wollte Oona ein Stofftier als Protagonist nehmen, und so kam ich ins Spiel, denn Oona brauchte eine Geschichte. Oona, ihre Tochter und ihr Mann sind oft auf Norderney, deshalb spielt die Geschichte dort. Wir suchten einen kleinen Hasen aus, ließen ihn nähen, Oona  gab mir ein paar Stichpunkte und ich dachte mir eine Geschichte aus. Das war vor ziemlich genau einem Jahr. Oona wanderte letztes und dieses Jahr über die Insel und fotografierte unser kleines Sandkörnchen. So entstand das Buch.

Gibt es noch ein Genre, was Dich besonders reizt, in dem Du gerne mal etwas schreiben würdest?
Nicht wirklich, denn ich bin mit dem Schreiben meiner Gegenwartsliteratur schon gut ausgelastet. Außerdem soll Sandkörnchen eine ganze Reihe werden. Es gibt Überlegungen, mit einer Illustratorin zusammen eine Graphic Novel zu erarbeiten.  Meine Sprache ist sehr reduziert. In China sagt man: Große Kunst ist dann erreicht, wenn man nichts mehr weglassen kann. Ich würde gern versuchen, meine Sprache so weit zu reduzieren, dass sie nur im Zusammenspiel mit Bildern funktioniert. Ich bin ein sehr visueller Mensch und arbeite zurzeit auch mit mehreren Fotografen an gemeinsamen Projekten. Eine Vermischung aus Literatur und Bild.

Wie bereitest Du Dich auf ein neues Buchprojekt vor?
Gar nicht. Ich schreibe das eine Buch zu Ende und beginne mit dem nächsten. Die Vorarbeit besteht nur darin, die Ideen und Beobachtungen einfach irgendwo in meinem Gedächtnis zu speichern, wo sie dann vor sich hin wachsen. Da ist viel Ausschuss dabei. 70-80% meiner Ideen werden nicht schriftstellerisch erarbeitet. Ich versuche erst gar nicht, sie zu Papier zu bringen. Ich schreibe mir auch wenig Ideen auf. Wenn sie gut sind, bleiben sie im Kopf. Wenn nicht, waren sie nicht gut. Irgendwann fühlt es sich nach einer Geschichte an, und dann ist sie bereit, aufgeschrieben zu werden. Ich recherchiere nie im Vorfeld.

Woher nimmst Du die Inspiration für deine Bücher?
Die Ideen an sich kommen aus dem Alltag, die Inspiration aus anderen Künsten.  Fotografie, Malerei, Film. Besonders wichtig ist Musik. Wenn ich ein Buch anfange, erstelle ich meist einen Soundtrack mit passender Musik. Es gibt viele Leser, die meinen, meine Bücher zu lesen sei, als würde man einen Film sehen. Das ist für mich ein sehr großes Kompliment.

Wie lange benötigst Du für ein Buch?
Das erste Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die ich ohne den Gedanken einer Veröffentlichung schrieb. Zu der Zeit schrieb ich noch ein Drehbuch und ein Theaterstück. Für die zehn Geschichten benötigte ich  ca. 3 Jahre. Das zweite Buch war die Geschichte, zu der ich vorher das Drehbuch verfasst hatte. Da es also eine Vorlage gab, dauerte es ca. ein halbes Jahr. Auch der dritte Roman dauerte ca. ein halbes Jahr. An meinem jetzigen Roman arbeite ich schon länger. Erstens, weil es dazwischen andere Projekte wie das Kinderbuch gab und zweitens, weil es für mich ein großer Sprung nach oben ist. Meine ersten Bücher schrieb ich zwar mit großer Ernsthaftigkeit, aber dieser Roman ist nun das, was ich qualitativ in der Literatur erreichen möchte.

Schreibst Du „aus dem Bauch heraus“, oder plottest Du vorher?
Früher habe ich einfach geschrieben, was mir gerade in den Kopf kam. Bei Kurzgeschichten braucht es keinen vorher durchdachten dramaturgischen Bogen. Alles ist auf wenige Seiten komprimiert. Heute ist es unterschiedlich. „221 Tage“ wurde komplett geplottet, das Drehbuch schrieb ich dann in wenigen Tagen. Bei Meerestiere gab es einen groben Handlungsstrang. Für meinen jetzigen Roman habe ich mir die Handlung vorher genau ausgedacht, nur wird der Roman doch ein wenig anders. Aber das stört mich nicht. Eine Geschichte fließt dahin, wo es richtig ist. Ich vertraue diesbezüglich meinem Gefühl und meiner Ausbildung als Dramaturgin. 

Du hast bisher als Selfpublisherin veröffentlicht. Möchtest Du in dem Bereich bleiben, oder würdest Du lieber als Verlagsautorin schreiben und wieso ist Deine Wahl so?
Die Kurzgeschichten veröffentlichte ich als Selfpublisherin, weil nur wenige Verlage überhaupt dieses Genre veröffentlichen. Natürlich fand ich die Idee schön, dass auch andere Leser mein Buch kaufen konnten, aber es war doch eher etwas für Freunde und Verwandte. Daher ersparte ich mir die mühselige und bestimmt auch frustrierende Suche nach einem Verlag. Kurz nach der Veröffentlichung entdeckte ich den Selfpublisher Verband und lernte andere Selfpublisher kennen und ich begann, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich lernte, die Freiheiten zu schätzen und stellte meine Romane  „221 Tage“ und „Meerestiere“ dementsprechend nie einem Verlag vor. Ein Leser schrieb mir einmal, wäre die Welt gerecht, hätte mich ein großer, bekannter Verlag veröffentlicht. Ich musste ihn darüber aufklären, dass ich den Verlagen nie die Chance dazu gegeben habe.
Für den Roman, den ich nun schreibe, möchte ich mir einen Verlag suchen. Meine Bücher werden fast ausschließlich in Buchhandlungen gekauft und Selfpublishing scheint mir sehr Genreabhängig zu sein. Auch viele Blogger bevorzugen bestimmte Genres, so dass ich oft nicht in das Leseprofil passe.  

Hast Du Tipps für junge Autorinnen und Autoren, die gern ein Buch veröffentlichen würden?
Schreiben, schreiben, schreiben. Und wenn man gerade nicht schreibt: Lesen, lesen, lesen.
Autoren fallen selten vom Himmel. Es ist Arbeit, es braucht Übung.  Ich würde mal behaupten, viele gute Autoren haben schon große Altpapiercontainer mit Manuskripten gefüllt, die sie für nicht veröffentlichungswürdig  empfanden. 

Jetzt habe ich noch ein paar persönlichere Fragen, damit die Leser Dich als Person noch ein bisschen näher kennenlernen können:

Wie, wo und wann schreibst Du am liebsten?
Sitzend am Schreibtisch Montags ganztägig, Dienstags bis Freitags ab 14.00 Uhr. Seit ein paar Wochen versuche ich um 18.00 Uhr den Computer auszumachen. Dazu trinke ich Wasser, im Winter Tee. Und hin- und wieder eine Tasse Brühe.  Niemals im Pyjama oder Trainingshose. Das habe ich mir von Marguerite Duras entlehnt. Ich bewundere ihren sprachlichen Ausdruck! Sie erzählte einmal, dass sie sich nie ungewaschen oder nachlässig gekleidet an den Schreibtisch setzt.

Was ist Dir beim Schreiben als Arbeitsumgebung wichtig?
Jemand erzählte mir vor vielen Jahren, ein guter Autor muss überall schreiben können.  Nun, ich kann zwar unterwegs Ideen skizzieren, aber für das eigentliche Schreiben brauche ich Ruhe. Die habe ich an meinem Schreibtisch, weil dort Routine herrscht. Ich habe eine große Terrasse, bin aber noch nie auf die Idee gekommen, dort zu schreiben. Dort würde mich zu viel ablenken. Im Zug schreibe ich immer seitenweise Tagebuch. Ich liebe zugfahren, da kann ich meine Gedanken einfach schweifen lassen. Manchmal träume ich davon, eine Zugreise mit dem Orient Express, dem Royal Scotsman oder etwas ähnlichem zu machen. Ich stelle mir das sehr inspirierend vor und ich glaube, in so einem Zug könnte ich auch auf meinen Schreibtisch verzichten. Nur leider fehlt mir noch der Bestseller, um mir diese Form des Reisens leisten zu können.

Welches Genre liest Du selber am liebsten? Hast Du Autorenvorbilder oder Autoren, die Du besonders gern liest?
Hin- und wieder lese ich Krimis, Thriller oder Horror, ganz selten mal Fantasy. Im Großen und Ganzen lese ich Gegenwartsliteratur. Wenn ich Unterhaltung will, lese ich gerne King. Mein großes Vorbild ist Marguerite Duras. Auch Aglaja Veteranyi hat es mir mit ihrem Sprachstil sehr angetan. Letztendlich schreibe ich aber doch mehr in Richtung Unterhaltungsliteratur als diese beiden Sprachkünstlerinnen.

Und: Was sind Deine Freizeitaktivitäten, wenn Du nicht schreibst?
Ich fahre viel mit dem Rad, und ein Spaziergang kann bei mir auch an die 25 Kilometer lang sein. Ich bin ein Bewegungsmensch. Aber was ich wirklich gut kann ist, auf der Couch zu sitzen, Chips zu futtern und einen Film oder eine Serie anschauen. Ich liebe Filme! Ich koche sehr gern, allerdings muss ich mich manchmal mit meinem Mitbewohner deshalb streiten. Ich lebe in einer Business-WG und er kocht auch sehr gern. Das gibt manchmal Gerangel, wer am Abend an den Herd darf. Manchmal falte ich Bücher. Das nennt sich Orimoto. Aber ansonsten bin ich ein relativ langweiliger Mensch, ich kann auch nicht gut unterhalten. Auf Partys höre ich zu, sage aber wenig. Meine Bücher sprechen viel mehr zu den Menschen. Einmal bekam ich die Rückmeldung, dass ein Leser zwei Stunden brauchte, um wieder „auf ein normales emotionales Level zu kommen“. Das höre ich öfter mal. Gut, dass ich nicht so eine Wirkung auf Menschen habe!

Das waren jetzt eine Menge Fragen. Aber vielleicht habe ich ja eine oder mehrere für Dich wichtige Fragen gar nicht gestellt? Gibt es etwas, das Du den Lesern gern noch mitgeben oder erzählen möchtest?

An dieser Stelle möchte ich gern auf einen Gastbeitrag verweisen, den ich auf einem Blog schrieb. Dort ist mein Weg aus dem Theater heraus zu meinem heutigen Dasein als Autorin sehr gut beschrieben.
https://www.manafonistas.de/2018/05/08/post-its-ein-gastbeitrag-von-iris-antonia-kogler/

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview und wünsche Dir alles Gute. Und in dieser sehr seltsamen Zeit vor allem auch: Bleib gesund!
Lieben Dank dir, ich habe mich sehr über dieses Interview gefreut!

Hier geht’s zu meiner Rezension von „Sandkörnchens spannender Tag auf Norderney“

Hier geht’s zu meiner Rezension von „Meerestiere“

Iris Antonia Kogler auf Amazon

Ein zauberhaftes Kinderbuch

Sandkörnchens spannender Tag auf Norderney – Iris Antonia Paul & Oona Thim

Sandkörnchen ist ein niedlicher Plüschhase, der zusammen mit seiner kleinen Besitzerin und ihren Eltern Urlaub auf Norderney machen soll. Er schildert in kleinen, einseitigen Kapiteln seine Erlebnisse, angefangen von den Reisevorbereitungen, über die Reise bis hin zu seinem Hinausfallen aus dem Rucksack. Sandkörnchen macht sich also auf, seine Besitzerin zu finden und erlebt an diesem Tag viele kleine spannende Abenteuer.

Jedes Kapitel beschränkt sich auf eine Seite, sodass dieses Buch wunderbar als Vorlese- und Mitguck-Buch für kleine Kinder geeignet ist. Die Geschichte ist spannend, aber nicht so geschrieben, dass Kinder sich beim vorlesen fürchten müssten. Sie erleben gemeinsam mit dem Hasen einen tollen Tag. Zum einen hat die Autorin Iris Antonia Paul einen tollen Schreibstil. Nicht zu kindlich kitschig, aber doch so, dass auch kleine Kinder den Sinn der Geschichte verstehen. Ganz hinreissend sind auch die zu jedem Kapitel passenden Fotos. Das Coverbild zeigt eines der Erlebnisse des Häschens. In dieser Art gibt es zu jedem Kapitel auch das passende Foto.

Auch wenn ich sicherlich nicht zur Zielgruppe dieses Buches gehöre, bin ich verzaubert von der wundervollen Geschichte und den fantastischen Fotos. Ich möchte allen Eltern, Großeltern, Tanten und Onkels und all denen, die ein schönes Büchlein für ein kleines Kind suchen, dieses Buch ans Herz legen. Ich hoffe, ich darf noch viele weitere Abenteuer von Sandkörnchen lesen, denn dieses Buch hat definitiv Nachfolgebücher verdient!

Von mir gibt es von ganzem Herzen eine klare Kaufempfehlung und fünf wunderschöne Sandkörner (Sterne)

Morgen gibt es hier übrigens ein Interview mit der Autorin, die unter ihrem Realnamen Iris Antonia Kogler Gegenwartsliteratur verfasst.

In Tante Dottis Bistro geht’s turbulent weiter

Werbung, da vom Verlag zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar

Frühlingsglück im kleinen Café an der Mühle – Barbara Erlenkamp (be-ebook)

Endlich ist der große Tag da, Sophie von Metten heiratet ihren Verlobten Peter. Doch wir wären nicht im Mühlencafé im kleinen Dorf an der Mosel, wenn alles glattgehen würde. Schon beim Hochzeitsauto beginnt der Trubel. Aber nicht nur die Hochzeit ist ein Höhepunkt in Sophies Leben, sie möchte zugleich Amor zwischen ihrer Freundin Leonie und ihrem Trauzeugen Jan spielen. Getoppt wird das alles noch durch die Gerüchte, ein Fernsehteam würde im Dorf etwas drehen. Die Spekulationen schwanken zwischen Krimiserie und anderen spannenden Serien, doch niemand weiß wirklich Genaues.

Das Autorenduo Barbara Erlenkamp hat mit diesem Roman eine erfrischende Fortsetzung der Mühlencafé-Geschichten geschrieben. Viele altbekannte und liebgewonnene Figuren tauchen auf, mittlerweile hat man das Gefühl, selber in Hettis Metzgerei die berühmte Leberwurst mit Kräutern kaufen zu gehen und im Café einen leckeren Flammkuchen zu genießen. Fast möchte man freundlich grüßen, wenn Johannes Braubart ins Café kommt, um etwas zu besprechen. Doch natürlich geht auch in diesem Buch nicht alles mit rechten Dingen zu. Denn plötzlich taucht ein Schreiben auf, dass Sophie gar nicht die rechtmäßige Eigentümerin des Cafés ist. Dem Autorenduo ist auch hier wieder eine spannende Geschichte neben den Geschichten mit den Dorfbewohnern gelungen. Die handelnden Figuren sind wieder sehr authentisch beschrieben und das Dorf, obwohl es nur ein fiktives Dorf ist, ist so herrlich gezeichnet, dass man meinen könnte, man würde es irgendwo an der Mosel finden, wenn man nur gut genug suchen würde.
Am Ende des Buches sind alle Fäden ineinander verwoben und alle Geschichten in sich abgeschl0ssen, sodass keine Fragen offenbleiben.

Der Roman ist in sich abgeschlossen und lässt sich, vor allem auch durch die Einführung der handelnden Personen am Anfang des Buches, sehr gut selbstständig lesen. Trotzdem ist der Lesegenuss ungleich größer, wenn man zuerst die Vorgängerromane liest.

Von mir gibt es fünf Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die ein paar Stunden gut unterhalten werden möchten und den eigenen Alltagsproblemen ein bisschen entfliehen möchte.
Dem Verlag be-ebooks und netgalley herzlichen Dank für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar