Autoreninterview Anke Schläger

Liebe Anke,

ganz lieben Dank zunächst, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Aus Deiner Vita geht hervor, dass Du seit mehr als zwanzig Jahren in der Unternehmenskommunikation arbeitest. Studiert hast Du jedoch Germanistik, Politikwissenschaft und Pädagogik. Auf den ersten Blick nicht unbedingt Studienfächer, die mit Deinem Job in Verbindung gebracht werden. Wie bist Du vom Studium und Volontariat in diesen Bereich gekommen?
Ich finde, das hat sich alles prima ergänzt. Aus dem Studium und der Zeit bei einer Tageszeitung habe ich eine Menge mitgenommen, das ich immer noch gebrauchen kann: vor allem, wie man Informationen zusammenträgt, ordnet und am Ende etwas Lesbares daraus macht. Lebensnahe Geschichten haben mir immer viel Spaß gemacht. Und das, was beim Romanschreiben „Show, don’t tell“ heißt, lernt man ziemlich gut beim Schreiben von Zeitungsreportagen. In meinem Hauptjob setze ich das auch um. Da geht es oft um Texte zu technischen oder wissenschaftlichen Themen, die für Leser von Fachzeitschriften leicht verständlich sein sollen.

Durch Deinen Hauptjob bist Du ja nicht Vollzeit-Autorin. Würdest Du gern mehr schreiben und den Hauptjob an den Nagel hängen, oder soll die Autorentätigkeit weiterhin nebenberuflich bleiben?
Mein restliches Berufsleben komplett am heimischen Schreibtisch verbringen? Nein, danke. Der regelmäßige Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen würde mir fehlen. Das merke ich jetzt schon im Corona-bedingten Home Office. Außerdem kommen mir in meinem normalen Job auch regelmäßig Ideen, die ich für meine Bücher verwenden kann. Und von bisher drei veröffentlichten Romanen im Selfpublishing kann kaum jemand leben – ich jedenfalls nicht. Darum werde ich wohl Autorin im Nebenberuf bleiben, wie so viele Schriftsteller, die andere Einkommensquellen haben.

Gibt es einen zweiten Traumberuf, den Du gern gelernt / ausgeübt hättest? Und was hat Dich dazu bewogen, den aktuellen Weg einzuschlagen?
Ganz früher habe ich mit einem Studium der Archäologie geliebäugelt, weil ich schon als Zwölfjährige alles verschlungen habe, was mit den Pharaonen im alten Ägypten zu tun hatte. Aber das erschien mir dann doch reichlich realitätsfern. Das Schreiben von Romanen auch, deshalb habe ich meine ersten Geschichten heimlich aufgeschrieben und versteckt. Ich war stolz wie Oskar, als in der Lokalzeitung meiner Heimatstadt die ersten Artikel erschienen, über denen mein Name stand … Das war 1985.


Deine Bücher sind Gegenwartsromane, die immer mit einer großen Portion Humor daherkommen, die aber nie oberflächig sind, sondern sehr in die Tiefe gehen. Du sprichst auch kritische und problematische Themen an, jedoch nie mit einem erhobenen Zeigefinger. Verarbeitest Du viel Autobiographisches, oder ist tatsächlich alles Fiktion?
Ich schaue mich gern in der nächsten Umgebung um. Auf meinen Debüt-Roman bin ich gekommen, weil ich mich – wie eine meiner Hauptfiguren – am Tag vor Heiligabend gründlich verfahren und dabei eine Frau mit einem kleinen  Jungen gesehen habe. Vermutlich Mutter und Sohn, die aus einem Haus stürmten. Du kennst „Festtagsgäste“ ja und weißt, was daraus geworden ist. „Taktgefühle“ knüpft daran an und ist in einer Zeit entstanden, in der meine Tochter häufig Klavier gespielt hat. Und „Sonnenplätze“ ist ein Mutter-Tochter-Roman. Da ist so manche Szene hineingerutscht, in der ich mich wiedererkenne. Aber das Allermeiste ist Fiktion. Ich habe wirklich nie in einer niederländischen Ausnüchterungszelle übernachtet oder eine amerikanische Ferienanlage geleitet, und Motorrad fahren kann ich auch nicht.

Deine ersten beiden Bücher spielen in Deutschland, in Ostwestfalen, wo Du lebst. „Sonnenplätze“ dagegen spielt in Florida. Was hat Dich bewogen, Deine Geschichte mal in einer völlig anderen Gegend spielen zu lassen?
Der Ostwestfale bleibt ja nicht ein Leben lang auf seiner Scholle. In Florida und auch in einigen anderen Gegenden der USA war ich mit meiner Familie oft. Eine erste vage Idee zu diesem Roman entstand während unseres letzten Urlaubs auf Sanibel Island, als wir die starken Regenfälle erlebten und am Strand tatsächlich ein kleiner Alligator herumlief. Wir waren noch nicht lange wieder zu Hause, als der Hurrikan „Irma“ über die Insel hinwegfegte – und seitdem wollte ich daraus etwas machen. Im Roman geht es auch um eine sowjetische Militärmission, die es in Ostwestfalen tatsächlich gab, und auf Sanibel Island genießen bis heute etliche ehemalige CIA-Agenten ihren Ruhestand. So war die Verbindung zu meiner Heimat schnell geknüpft.
Kleiner Spoiler: In meinem nächsten Roman werden die Hauptfiguren genauso wenig in Deutschland bleiben. Es geht dann auf eine Insel in Südeuropa, die auch nicht Jeder kennt.


Gibt es noch ein Genre, was Dich besonders reizt, in dem Du gerne mal etwas schreiben würdest?
Ja, ich habe schon ein erstes Exposé zu einem Krimi niedergeschrieben. Aber dazu muss ich an einigen Stellen vor Ort recherchieren, und das ist während der Corona-Zeit schwierig.

Wie bereitest Du Dich auf ein neues Buchprojekt vor?
Ich habe eine dicke Mappe, in der alle spontanen Einfälle landen, und ein Notizbuch für zwischendurch. Das wird alles durchsucht, sobald es eine erste Idee gibt, Brauchbares auf einen Haufen geschichtet und ein Pitch geschrieben. Dann skizziere ich die Haupt- und die wichtigsten Nebenfiguren, ein Exposé entsteht und auch ein grober Kapitelplan.

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Bücher?
Überallher. Aus der Umgebung, der Zeitung, dem Fernsehen, und gar nicht so selten bringt mich auch ein Lied auf eine Idee – zum Beispiel für den Titel „Sonnenplätze“.

Wie lange benötigst Du für ein Buch?
Länger als ein Jahr, weil ich ja nicht hauptberuflich schreibe und auch vieles andere selbst in die Hand nehme wie den Printbuchsatz und die Pflege meiner Website. Mit „Sonnenplätze“ habe ich im Herbst 2018 begonnen und in diesem Frühjahr veröffentlicht.

Schreibst Du „aus dem Bauch heraus“, oder plottest Du vorher?
Meinen ersten Roman habe ich weitgehend aus dem Bauch heraus geschrieben. Den zweiten habe ich äußerst akribisch geplottet. Den dritten auch – und dann nach etwas mehr als der Hälfte einen Großteil meines schönen Kapitelplans komplett verworfen. Da haben sich die Figuren selbstständig gemacht, und ich hatte plötzlich viel mehr Spaß am Schreiben als zuvor. Beim vorgesehenen Schluss ist es allerdings geblieben.
Konsequenz daraus: Das Exposé und den Kapitelplan zum vierten Roman habe ich erst fertiggestellt, als ich schon drei Kapitel beisammen hatte. Ich musste mich ein bisschen dazu zwingen und habe mir von einem Tag zum anderen vorgenommen „morgen fängst du damit aber an“. Nun ist das Ganze für mich eine Rückversicherung, dass ich diesen Roman zu Ende bringen kann. Aber wenn mir unterwegs etwas Besseres einfällt, ist es auch gut. Beruhigend: Mein Lektor weiß, was ich diesmal vorhabe, und von ihm gab’s grünes Licht.

Du hast bisher als Selfpublisherin veröffentlicht. Möchtest Du in dem Bereich bleiben, oder würdest Du lieber als Verlagsautorin schreiben und wieso ist Deine Wahl so?
Einerseits würde ich meine Bücher sehr gern in allen Buchhandlungen sehen. Welcher Autor träumt davon wohl nicht? Eine professionelle Zusammenarbeit mit einem Verlag würde meinen Büchern garantiert mehr Aufmerksamkeit einbringen.
Andererseits führt der Weg zu einem Verlag in aller Regel über Literaturagenturen. Mit meinem ersten Roman habe ich viel Zeit für die Agentursuche verwendet, zu viel, wie ich heute weiß – denn die Erfahrungen waren nicht gut. Und die Coronakrise dürfte eher dazu führen, dass Agenturen lieber auf bekannte Namen setzen als auf neue Autoren, deren Aufbau immer auch ein Risiko bedeutet. Außerdem schreibe ich bislang nicht innerhalb der Genres, die für Agenturen spannend sind, weil sie den kommerziellen Erfolg versprechen: Humor, Liebe, Erotik oder Krimi.
Trotzdem würde ich mich freuen, wenn eine Agentur oder ein Verlag an einer langfristigen Zusammenarbeit mit mir interessiert wäre. Die Themen, über die ich schreibe, möchte ich aber weiter selbst auswählen, und das ist für mich ein wesentlicher Vorteil des Selfpublishing. Ganz falsch liege ich mit meinen Ideen wohl nicht. Sonst wäre „Sonnenplätze“ kaum auf Platz 30 der e-book-Bestsellerliste von Thalia gelandet, zwischen vielen bekannten Verlagstiteln.  

Hast Du Tipps für junge Autorinnen und Autoren, die gern ein Buch veröffentlichen würden?
Lasst Euch nicht bange machen und habt viel Geduld. Bange machen wollen einen nämlich vor allem Menschen, die damit bares Geld verdienen. Zum Beispiel Agenturen, die eine Vertretung in Aussicht stellen, wenn man zuvor bei der hauseigenen Schreibschule einen Kurs absolviert. Darauf habe ich lieber verzichtet. Und nicht jeder Tipp im Selfpublishing passt für alle. Ich habe mir diesmal Kindle Unlimited gespart und „Sonnenplätze“ auch nie für 99 Cent verkauft. Trotzdem habe ich von diesem Roman in drei Monaten mehr Exemplare verkauft als von den anderen beiden. Dafür ein dickes „Dankeschön“ an das Team von tolino media, denn ohne die tolle Zusammenarbeit hätte das nicht funktioniert.
Geduld braucht man mit sich selbst, wenn man mal wieder glaubt, überhaupt nicht schreiben zu können, nur weil man irgendwo stecken geblieben ist. Romanfiguren entwickeln sich mit der Zeit, die müssen nicht von Anfang an „rund“ sein.
Und von den bombastischen Zahlen, die andere Autoren einem manchmal ungefragt um die Ohren hauen, muss man sich auch nicht allzu sehr beeindrucken lassen. Besser nachfragen, wie viele Bücher vergünstigt und wie viele zum vollen Preis verkauft worden sind. Quantität allein sagt nicht unbedingt etwas über den Erfolg aus.
 

Jetzt habe ich noch ein paar persönlichere Fragen, damit die Leser Dich als Person noch ein bisschen näher kennenlernen können:
Wie, wo und wann schreibst Du am liebsten?
Ganz schnöde am Schreibtisch, vor einem großen Bildschirm, auf dem ich alles gut lesen kann. Bei schönem Sommerwetter und nach Sonnenuntergang setze ich mich mit dem Laptop auch manchmal auf die Terrasse, vor allem nach einem Tag im Home Office. Wenn ich mir die Zeit selbst einteilen kann, schreibe ich morgens, weil der Kopf dann noch frei ist.  

Was ist Dir beim Schreiben als Arbeitsumgebung wichtig?
Meine Ruhe, etwas zu Trinken und Kaugummi, um das Hirn auf Touren zu bringen.

Welches Genre liest Du selber am liebsten? Hast Du Autorenvorbilder oder Autoren, die Du besonders gern liest?
Im Moment lese ich gern ähnliche Romane, wie ich sie selbst schreibe: von deutschen Autorinnen wie Dörte Hansen, Sybil Volks oder Dora Heldt, in denen es um Familienbande und Freundschaften geht. Ich mag authentische Figuren lieber als superstarke Frauen und ihre Traummänner. Gerade finde ich auch zu Büchern zurück, von denen ich nur wenige Seiten täglich lese, die dafür aber länger im Gedächtnis bleiben – etwa von Benedict Wells.  

Und: Was sind Deine Freizeitaktivitäten, wenn Du nicht schreibst?
Musik hören und dabei kochen (oder umgekehrt), lesen, fotografieren, neuerdings auch wieder häufiger Radfahren.

Das waren jetzt eine Menge Fragen. Aber vielleicht habe ich ja eine oder mehrere für Dich wichtige Fragen gar nicht gestellt? Gibt es etwas, das Du den Lesern gern noch mitgeben oder erzählen möchtest?
Ohne Euch Leserinnen und Leser gäbe es gar keinen Grund, Bücher zu schreiben. Also: Danke, dass Ihr unsere Gedanken aufs Sofa, in den Urlaub und anderswohin mitnehmt. Wisst Ihr eigentlich, was das schönste Kompliment für ein neues Buch ist? Wenn vermehrt auch die etwas älteren gekauft werden. Das kann ja nur heißen, dass der jüngste Roman gut angekommen ist und spornt enorm zum Weitermachten an!

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview und wünsche Dir alles Gute. Und in dieser sehr seltsamen Zeit vor allem auch: Bleib gesund!

Du auch, liebe Claudia. Und hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Natürlich auf einer Buchmesse und nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr!

Hier geht’s zum aktuellen Buch „Sonnenplätze“

Eine Reise, eine Liebe und viel Nachdenkliches

Sonnenplätze – Anke Schläger

Karin und Friederike, Mutter und Tochter, reisen gemeinsam nach Florida, in einen Urlaub, den sie dringend nach dem Tod von Ehemann und Vater benötigen. Eigentlich hat Friederike keine grosse Lust auf diesen Urlaub, aber schliesslich willigt sie doch ein, merkt sie doch, dass es der Herzenswunsch ihrer Mutter ist.

Der Roman ist immer abwechelnd aus Karins und Friederikes Sicht erzählt. Beide beschreiben ihre Erlebnisse und Empfindungen sowohl aus Rückblicken als auch aus aktuellen Ereignissen. Der Leser erfährt, warum Friederike schwerhörig ist und warum Karin sich deshalb so große Vorwürfe macht. Er erfährt aber auch, warum Karin nie komplett glücklich während ihrer Ehe war und wie Friederike sich in Gary verliebt.

Anke Schläger hat in ihrer wunderbaren Schreibweise wieder eine Geschichte geschaffen, die unter die Haut geht. An vielen Teilen des Romans habe ich kurz innegehalten und nachgedacht. Denn wie oft verhält man sich ähnlich wie eine der beiden Protagonistinnen. Ist es das wirklich wert? Die Charaktere sind wunderbar lebensecht gezeichnet, man merkt, dass die Autorin die Schauplätze der Geschichte selber gut kennt und bereist hat. Neben den vielen nachdenklichen Momenten gibt es auch immer Stellen, an denen man schmunzeln muss. Und natürlich auch jede Menge fürs Herz. Ganz nebenbei hat sie die Gegend auf Sanibel wunderbar beschrieben und so neugierig auf dieses Fleckchen Erde gemacht. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger wird der Leser ausserdem auf die aktuelle Umweltproblematik aufmerksam gemacht.

Dieses Buch ist keins, das man „mal eben schnell“ wegliest. Man sollte sich Zeit nehmen, und auch zwischendurch Luft holen und reflektieren. Wer Lust auf eine Geschichte hat, die nicht nur oberflächlich erzählt ist, sondern die wirklich in die Tiefe geht, ohne anstrengend zu sein, der ist mit diesem Buch wunderbar bedient.

Ich bedanke mich für diesen Lesegenuss und vergebe sehr gern 5 strahlende Sterne!

Übrigens: Morgen erscheint hier ein Interview mit der Autorin!

Lesen und damit Gutes tun

Ich durfte ja letzthin die Autorin Iris Antonia Kogler vorstellen. Im Nachgang zu unserem Interview hat sie mir dann etwas erzählt, was ich gern publik machen möchte, denn ich finde es grossartig!

Die Autorin hat aktuell ihr Buch „Von Menschen: Kurzgeschichten“ auf 99 Cent reduziert, damit möglichst viele Menschen dieses Buch kaufen. Aber nicht, damit sie sich bereichern kann, sondern weil sie den Erlös, der durch den reduzierten Verkaufspreis eingespielt wird, der Aktion Lichtblicke e.V. spenden möchte. Lichtblicke wurde 1998 von 45 Lokalradios ins Leben gerufen und hilft in Not geratenen Familien. Ich finde, das muss unterstützt werden! Und weil wirklich was zusammenkommen soll, ist das Buch bis Ende Oktober reduziert!

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Autoreninterview – Iris Antonia Kogler

Liebe Iris,

ganz herzlichen Dank zunächst, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Aus Deiner Vita geht nicht wahnsinnig viel hervor. Du hast eine Ausbildung zur Theaterdramaturgin gemacht, und danach fand man Dich hauptsächlich im handwerklichen Bereich wieder. Als Ausstellungstechnikern, und beim Messe- und Bühnenbau. Da ist doch sicherlich ein riesiger Unterschied in der Arbeitsweise. Was macht für Dich das Besondere am handwerklichen Arbeiten aus? Oder würdest Du gern wieder als Dramaturgin arbeiten?Ich mochte Handwerk schon immer und wurde auch sehr pragmatisch erzogen. Als ich bei meinen Eltern auszog, um auf die Theaterakademie zu gehen, lief mein Vater in seinen Keller, kam kurze Zeit später wieder hoch und drückte mir ein paar Schraubenzieher, eine Zange, einen Hammer und noch Kleinzeug wie Nägel und Schrauben  mit dem Kommentar in die Hand: So Kind, jetzt musst du alleine für dich sorgen.
Ich war nie der Typ, dem es leicht fällt, sich an den Tisch zu setzten und zu lernen. Eigentlich seltsam, dass ich dann Dramaturgie studiert habe – ist ja erst einmal etwas sehr theoretisches und trockenes.  Danach ging ich ans Theater, fühlte mich heimlich aber immer eher hinter die Bühne gezogen. Ich mochte die Werkstätten viel lieber als den dunklen Theatersaal oder das Büro. Irgendwann arbeitete ich im Archiv eines Museums, und plötzlich brauchte man jemanden, der beim Aufbau einer Ausstellung mithalf. Da war ich zur Stelle. Und ab da ging der Weg Richtung Messe- und Bühnenbau. Ab diesem Zeitpunkt begann ich nach einer sehr langen Pause auch wieder zu schreiben.  Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Ans Theater möchte ich nicht mehr zurück. Mir gefällt mein Leben so, wie es heute ist. Nun … vielleicht komme ich als Autorin eines Theaterstücks wieder mit dem Theater in Kontakt, aber das erarbeite ich ja nicht im Theater sondern an meinem Schreibtisch.

Durch Deinen Hauptjob bist Du ja nicht Vollzeit-Autorin. Würdest Du gern mehr schreiben und den Hauptjob irgendwann an den Nagel hängen, oder soll die Autorentätigkeit weiterhin nebenberuflich bleiben?
Auf keinen Fall würde ich meinen Job aufgeben. Inzwischen arbeite ich halbtags als Lageristin und nicht mehr als selbstständige Monteurin oder in der Kultur. Nach meinem unsteten Leben ohne Feiertage oder Wochenenden ist das nun ein Tagesablauf, der mir sehr viel Raum und Freiheit gibt. Und Sicherheit. Ich bekomme pünktlich meinen Lohn und bin versichert. Aber das Schöne an meinem Job ist, dass ich die ganze Zeit in Bewegung bin. Vier Stunden lang wuppe ich Kühlschränke, Spülmaschinen oder sonst irgendwelche Dinge und muss mir unheimlich viel merken und sortieren. Ich trainiere also Muskeln und Gedächtnis und bekomme sogar Geld dafür. Ich habe am Wochenende frei und muss auch nicht bis 23.00 Uhr (am Theater üblich) oder in der Nacht (beim Bühnenbau üblich) arbeiten. Ab 14.00 Uhr bin ich Autorin. Montags sogar ganztägig. Ich arbeite also mehr als Autorin denn als Lageristin. Das ist ein sehr schönes, ausgeglichenes Leben, das ich nur ungern ändern würde.

Gibt es einen zweiten Traumberuf, den Du gern gelernt / ausgeübt hättest? Und was hat Dich dazu bewogen, den aktuellen Weg einzuschlagen?
Ich wollte das Sandmännchen werden, wenn ich mal groß bin. Das erzählt die ganze Zeit Geschichten. Das habe ich schon als Kind gern gemacht. Und ich wollte Weltenbummlerin werden, aber meine Mutter erklärte mir, dass man auch mit irgendwas Geld verdienen muss. So landete ich bei der Schriftstellerei, denn schreiben kann man rein theoretisch von überall aus. Nun ja, es kann nur ein Sandmännchen geben, von daher wurde ich eben eine Schriftstellerin, die ihren Bewegungsdrang beim Herumtragen von  Kühlschränken und Spülmaschinen auslebt. Nach einigen Umwegen lebe ich also meinen Traumberuf voll aus.

Du bezeichnest Deine Bücher als Gegenwartsliteratur. „Meerestiere“ hätte ich sogar als Fabel eingestuft, denn der im Fisch „versteckte“ Vater ist ja eher als Synonym zu verstehen. Woher nimmst Du Deine Ideen?
Früher schrieb ich sehr abstrakt, heute bin ich mit meiner Literatur nah am Leben und der Realität. Ich sammle einfach ständig Informationen. Das können Zeitungsartikel, Fernsehbeitrage, Beobachtungen auf der Straße, Begebenheiten in der Familie oder bei Freunden sein. Die Geschichten formieren sich in ihren Grundzügen meist von selbst in meinem Kopf – und belegen irgendwann zu viel Speicherplatz. Durch das Aufschreiben werde ich sie los. Deshalb sind meine Bücher auch nur knapp über 200 Seiten lang. Ich habe einfach zu viele Geschichten in meinem Kopf, da kann ich keine großen Wälzer schreiben. Die Geduld hätte ich auch nicht.

Neben der Gegenwartsliteratur hast Du jetzt unter dem offenen Pseudonym Iris Antonia Paul gemeinsam mit Oona Thim ein wundervolles Kinderbuch, „Sandkörnchens spannender Tag auf Norderney“ geschrieben. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Oona Thim hat eine kleine Tochter, die den Kinderbuchklassiker „Mein Esel Benjamin“ für sich entdeckte. Das Buch verkauft sich noch heute und die Kinder lieben es so, wie wir damals. Da Oona Fotografin ist, dachte sie sich, sie könnte eine Bildergeschichte fotografieren, mit der Tochter als Hauptcharakter.  Die Kleine fand die Idee eines eigenen Bilderbuches toll, mochte aber nicht vor die Kamera. Daraufhin wollte Oona ein Stofftier als Protagonist nehmen, und so kam ich ins Spiel, denn Oona brauchte eine Geschichte. Oona, ihre Tochter und ihr Mann sind oft auf Norderney, deshalb spielt die Geschichte dort. Wir suchten einen kleinen Hasen aus, ließen ihn nähen, Oona  gab mir ein paar Stichpunkte und ich dachte mir eine Geschichte aus. Das war vor ziemlich genau einem Jahr. Oona wanderte letztes und dieses Jahr über die Insel und fotografierte unser kleines Sandkörnchen. So entstand das Buch.

Gibt es noch ein Genre, was Dich besonders reizt, in dem Du gerne mal etwas schreiben würdest?
Nicht wirklich, denn ich bin mit dem Schreiben meiner Gegenwartsliteratur schon gut ausgelastet. Außerdem soll Sandkörnchen eine ganze Reihe werden. Es gibt Überlegungen, mit einer Illustratorin zusammen eine Graphic Novel zu erarbeiten.  Meine Sprache ist sehr reduziert. In China sagt man: Große Kunst ist dann erreicht, wenn man nichts mehr weglassen kann. Ich würde gern versuchen, meine Sprache so weit zu reduzieren, dass sie nur im Zusammenspiel mit Bildern funktioniert. Ich bin ein sehr visueller Mensch und arbeite zurzeit auch mit mehreren Fotografen an gemeinsamen Projekten. Eine Vermischung aus Literatur und Bild.

Wie bereitest Du Dich auf ein neues Buchprojekt vor?
Gar nicht. Ich schreibe das eine Buch zu Ende und beginne mit dem nächsten. Die Vorarbeit besteht nur darin, die Ideen und Beobachtungen einfach irgendwo in meinem Gedächtnis zu speichern, wo sie dann vor sich hin wachsen. Da ist viel Ausschuss dabei. 70-80% meiner Ideen werden nicht schriftstellerisch erarbeitet. Ich versuche erst gar nicht, sie zu Papier zu bringen. Ich schreibe mir auch wenig Ideen auf. Wenn sie gut sind, bleiben sie im Kopf. Wenn nicht, waren sie nicht gut. Irgendwann fühlt es sich nach einer Geschichte an, und dann ist sie bereit, aufgeschrieben zu werden. Ich recherchiere nie im Vorfeld.

Woher nimmst Du die Inspiration für deine Bücher?
Die Ideen an sich kommen aus dem Alltag, die Inspiration aus anderen Künsten.  Fotografie, Malerei, Film. Besonders wichtig ist Musik. Wenn ich ein Buch anfange, erstelle ich meist einen Soundtrack mit passender Musik. Es gibt viele Leser, die meinen, meine Bücher zu lesen sei, als würde man einen Film sehen. Das ist für mich ein sehr großes Kompliment.

Wie lange benötigst Du für ein Buch?
Das erste Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die ich ohne den Gedanken einer Veröffentlichung schrieb. Zu der Zeit schrieb ich noch ein Drehbuch und ein Theaterstück. Für die zehn Geschichten benötigte ich  ca. 3 Jahre. Das zweite Buch war die Geschichte, zu der ich vorher das Drehbuch verfasst hatte. Da es also eine Vorlage gab, dauerte es ca. ein halbes Jahr. Auch der dritte Roman dauerte ca. ein halbes Jahr. An meinem jetzigen Roman arbeite ich schon länger. Erstens, weil es dazwischen andere Projekte wie das Kinderbuch gab und zweitens, weil es für mich ein großer Sprung nach oben ist. Meine ersten Bücher schrieb ich zwar mit großer Ernsthaftigkeit, aber dieser Roman ist nun das, was ich qualitativ in der Literatur erreichen möchte.

Schreibst Du „aus dem Bauch heraus“, oder plottest Du vorher?
Früher habe ich einfach geschrieben, was mir gerade in den Kopf kam. Bei Kurzgeschichten braucht es keinen vorher durchdachten dramaturgischen Bogen. Alles ist auf wenige Seiten komprimiert. Heute ist es unterschiedlich. „221 Tage“ wurde komplett geplottet, das Drehbuch schrieb ich dann in wenigen Tagen. Bei Meerestiere gab es einen groben Handlungsstrang. Für meinen jetzigen Roman habe ich mir die Handlung vorher genau ausgedacht, nur wird der Roman doch ein wenig anders. Aber das stört mich nicht. Eine Geschichte fließt dahin, wo es richtig ist. Ich vertraue diesbezüglich meinem Gefühl und meiner Ausbildung als Dramaturgin. 

Du hast bisher als Selfpublisherin veröffentlicht. Möchtest Du in dem Bereich bleiben, oder würdest Du lieber als Verlagsautorin schreiben und wieso ist Deine Wahl so?
Die Kurzgeschichten veröffentlichte ich als Selfpublisherin, weil nur wenige Verlage überhaupt dieses Genre veröffentlichen. Natürlich fand ich die Idee schön, dass auch andere Leser mein Buch kaufen konnten, aber es war doch eher etwas für Freunde und Verwandte. Daher ersparte ich mir die mühselige und bestimmt auch frustrierende Suche nach einem Verlag. Kurz nach der Veröffentlichung entdeckte ich den Selfpublisher Verband und lernte andere Selfpublisher kennen und ich begann, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich lernte, die Freiheiten zu schätzen und stellte meine Romane  „221 Tage“ und „Meerestiere“ dementsprechend nie einem Verlag vor. Ein Leser schrieb mir einmal, wäre die Welt gerecht, hätte mich ein großer, bekannter Verlag veröffentlicht. Ich musste ihn darüber aufklären, dass ich den Verlagen nie die Chance dazu gegeben habe.
Für den Roman, den ich nun schreibe, möchte ich mir einen Verlag suchen. Meine Bücher werden fast ausschließlich in Buchhandlungen gekauft und Selfpublishing scheint mir sehr Genreabhängig zu sein. Auch viele Blogger bevorzugen bestimmte Genres, so dass ich oft nicht in das Leseprofil passe.  

Hast Du Tipps für junge Autorinnen und Autoren, die gern ein Buch veröffentlichen würden?
Schreiben, schreiben, schreiben. Und wenn man gerade nicht schreibt: Lesen, lesen, lesen.
Autoren fallen selten vom Himmel. Es ist Arbeit, es braucht Übung.  Ich würde mal behaupten, viele gute Autoren haben schon große Altpapiercontainer mit Manuskripten gefüllt, die sie für nicht veröffentlichungswürdig  empfanden. 

Jetzt habe ich noch ein paar persönlichere Fragen, damit die Leser Dich als Person noch ein bisschen näher kennenlernen können:

Wie, wo und wann schreibst Du am liebsten?
Sitzend am Schreibtisch Montags ganztägig, Dienstags bis Freitags ab 14.00 Uhr. Seit ein paar Wochen versuche ich um 18.00 Uhr den Computer auszumachen. Dazu trinke ich Wasser, im Winter Tee. Und hin- und wieder eine Tasse Brühe.  Niemals im Pyjama oder Trainingshose. Das habe ich mir von Marguerite Duras entlehnt. Ich bewundere ihren sprachlichen Ausdruck! Sie erzählte einmal, dass sie sich nie ungewaschen oder nachlässig gekleidet an den Schreibtisch setzt.

Was ist Dir beim Schreiben als Arbeitsumgebung wichtig?
Jemand erzählte mir vor vielen Jahren, ein guter Autor muss überall schreiben können.  Nun, ich kann zwar unterwegs Ideen skizzieren, aber für das eigentliche Schreiben brauche ich Ruhe. Die habe ich an meinem Schreibtisch, weil dort Routine herrscht. Ich habe eine große Terrasse, bin aber noch nie auf die Idee gekommen, dort zu schreiben. Dort würde mich zu viel ablenken. Im Zug schreibe ich immer seitenweise Tagebuch. Ich liebe zugfahren, da kann ich meine Gedanken einfach schweifen lassen. Manchmal träume ich davon, eine Zugreise mit dem Orient Express, dem Royal Scotsman oder etwas ähnlichem zu machen. Ich stelle mir das sehr inspirierend vor und ich glaube, in so einem Zug könnte ich auch auf meinen Schreibtisch verzichten. Nur leider fehlt mir noch der Bestseller, um mir diese Form des Reisens leisten zu können.

Welches Genre liest Du selber am liebsten? Hast Du Autorenvorbilder oder Autoren, die Du besonders gern liest?
Hin- und wieder lese ich Krimis, Thriller oder Horror, ganz selten mal Fantasy. Im Großen und Ganzen lese ich Gegenwartsliteratur. Wenn ich Unterhaltung will, lese ich gerne King. Mein großes Vorbild ist Marguerite Duras. Auch Aglaja Veteranyi hat es mir mit ihrem Sprachstil sehr angetan. Letztendlich schreibe ich aber doch mehr in Richtung Unterhaltungsliteratur als diese beiden Sprachkünstlerinnen.

Und: Was sind Deine Freizeitaktivitäten, wenn Du nicht schreibst?
Ich fahre viel mit dem Rad, und ein Spaziergang kann bei mir auch an die 25 Kilometer lang sein. Ich bin ein Bewegungsmensch. Aber was ich wirklich gut kann ist, auf der Couch zu sitzen, Chips zu futtern und einen Film oder eine Serie anschauen. Ich liebe Filme! Ich koche sehr gern, allerdings muss ich mich manchmal mit meinem Mitbewohner deshalb streiten. Ich lebe in einer Business-WG und er kocht auch sehr gern. Das gibt manchmal Gerangel, wer am Abend an den Herd darf. Manchmal falte ich Bücher. Das nennt sich Orimoto. Aber ansonsten bin ich ein relativ langweiliger Mensch, ich kann auch nicht gut unterhalten. Auf Partys höre ich zu, sage aber wenig. Meine Bücher sprechen viel mehr zu den Menschen. Einmal bekam ich die Rückmeldung, dass ein Leser zwei Stunden brauchte, um wieder „auf ein normales emotionales Level zu kommen“. Das höre ich öfter mal. Gut, dass ich nicht so eine Wirkung auf Menschen habe!

Das waren jetzt eine Menge Fragen. Aber vielleicht habe ich ja eine oder mehrere für Dich wichtige Fragen gar nicht gestellt? Gibt es etwas, das Du den Lesern gern noch mitgeben oder erzählen möchtest?

An dieser Stelle möchte ich gern auf einen Gastbeitrag verweisen, den ich auf einem Blog schrieb. Dort ist mein Weg aus dem Theater heraus zu meinem heutigen Dasein als Autorin sehr gut beschrieben.
https://www.manafonistas.de/2018/05/08/post-its-ein-gastbeitrag-von-iris-antonia-kogler/

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview und wünsche Dir alles Gute. Und in dieser sehr seltsamen Zeit vor allem auch: Bleib gesund!
Lieben Dank dir, ich habe mich sehr über dieses Interview gefreut!

Hier geht’s zu meiner Rezension von „Sandkörnchens spannender Tag auf Norderney“

Hier geht’s zu meiner Rezension von „Meerestiere“

Iris Antonia Kogler auf Amazon

Ein zauberhaftes Kinderbuch

Sandkörnchens spannender Tag auf Norderney – Iris Antonia Paul & Oona Thim

Sandkörnchen ist ein niedlicher Plüschhase, der zusammen mit seiner kleinen Besitzerin und ihren Eltern Urlaub auf Norderney machen soll. Er schildert in kleinen, einseitigen Kapiteln seine Erlebnisse, angefangen von den Reisevorbereitungen, über die Reise bis hin zu seinem Hinausfallen aus dem Rucksack. Sandkörnchen macht sich also auf, seine Besitzerin zu finden und erlebt an diesem Tag viele kleine spannende Abenteuer.

Jedes Kapitel beschränkt sich auf eine Seite, sodass dieses Buch wunderbar als Vorlese- und Mitguck-Buch für kleine Kinder geeignet ist. Die Geschichte ist spannend, aber nicht so geschrieben, dass Kinder sich beim vorlesen fürchten müssten. Sie erleben gemeinsam mit dem Hasen einen tollen Tag. Zum einen hat die Autorin Iris Antonia Paul einen tollen Schreibstil. Nicht zu kindlich kitschig, aber doch so, dass auch kleine Kinder den Sinn der Geschichte verstehen. Ganz hinreissend sind auch die zu jedem Kapitel passenden Fotos. Das Coverbild zeigt eines der Erlebnisse des Häschens. In dieser Art gibt es zu jedem Kapitel auch das passende Foto.

Auch wenn ich sicherlich nicht zur Zielgruppe dieses Buches gehöre, bin ich verzaubert von der wundervollen Geschichte und den fantastischen Fotos. Ich möchte allen Eltern, Großeltern, Tanten und Onkels und all denen, die ein schönes Büchlein für ein kleines Kind suchen, dieses Buch ans Herz legen. Ich hoffe, ich darf noch viele weitere Abenteuer von Sandkörnchen lesen, denn dieses Buch hat definitiv Nachfolgebücher verdient!

Von mir gibt es von ganzem Herzen eine klare Kaufempfehlung und fünf wunderschöne Sandkörner (Sterne)

Morgen gibt es hier übrigens ein Interview mit der Autorin, die unter ihrem Realnamen Iris Antonia Kogler Gegenwartsliteratur verfasst.

In Tante Dottis Bistro geht’s turbulent weiter

Werbung, da vom Verlag zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar

Frühlingsglück im kleinen Café an der Mühle – Barbara Erlenkamp (be-ebook)

Endlich ist der große Tag da, Sophie von Metten heiratet ihren Verlobten Peter. Doch wir wären nicht im Mühlencafé im kleinen Dorf an der Mosel, wenn alles glattgehen würde. Schon beim Hochzeitsauto beginnt der Trubel. Aber nicht nur die Hochzeit ist ein Höhepunkt in Sophies Leben, sie möchte zugleich Amor zwischen ihrer Freundin Leonie und ihrem Trauzeugen Jan spielen. Getoppt wird das alles noch durch die Gerüchte, ein Fernsehteam würde im Dorf etwas drehen. Die Spekulationen schwanken zwischen Krimiserie und anderen spannenden Serien, doch niemand weiß wirklich Genaues.

Das Autorenduo Barbara Erlenkamp hat mit diesem Roman eine erfrischende Fortsetzung der Mühlencafé-Geschichten geschrieben. Viele altbekannte und liebgewonnene Figuren tauchen auf, mittlerweile hat man das Gefühl, selber in Hettis Metzgerei die berühmte Leberwurst mit Kräutern kaufen zu gehen und im Café einen leckeren Flammkuchen zu genießen. Fast möchte man freundlich grüßen, wenn Johannes Braubart ins Café kommt, um etwas zu besprechen. Doch natürlich geht auch in diesem Buch nicht alles mit rechten Dingen zu. Denn plötzlich taucht ein Schreiben auf, dass Sophie gar nicht die rechtmäßige Eigentümerin des Cafés ist. Dem Autorenduo ist auch hier wieder eine spannende Geschichte neben den Geschichten mit den Dorfbewohnern gelungen. Die handelnden Figuren sind wieder sehr authentisch beschrieben und das Dorf, obwohl es nur ein fiktives Dorf ist, ist so herrlich gezeichnet, dass man meinen könnte, man würde es irgendwo an der Mosel finden, wenn man nur gut genug suchen würde.
Am Ende des Buches sind alle Fäden ineinander verwoben und alle Geschichten in sich abgeschl0ssen, sodass keine Fragen offenbleiben.

Der Roman ist in sich abgeschlossen und lässt sich, vor allem auch durch die Einführung der handelnden Personen am Anfang des Buches, sehr gut selbstständig lesen. Trotzdem ist der Lesegenuss ungleich größer, wenn man zuerst die Vorgängerromane liest.

Von mir gibt es fünf Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die ein paar Stunden gut unterhalten werden möchten und den eigenen Alltagsproblemen ein bisschen entfliehen möchte.
Dem Verlag be-ebooks und netgalley herzlichen Dank für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar

BDSM ganz ohne Millionäre sondern sehr real …

Hunters Liste 1-3, Sammelband – Margaux Navara

Alice besucht ab und an einen örtlichen BDSM-Club. Doch so wirklich glücklich ist sie nicht, sie weiss nicht genau, was sie will und mit wem sie es möchte. Doch dann taucht Hunter auf, ein Dom, der definitiv keine Beziehung möchte. Gerade weil der örtliche Club nicht das gelbe vom Ei ist, träumt Alice davon, einen Club zu eröffnen, in dem jede Spielart ihren Platz findet. Den Ort dafür hat sie auch schon, die Villa, die sie von ihrer Tante geerbt hat. Und auch die finanziellen Möglichkeiten sind durch die Erbschaft gegeben. Doch Hunter rät ihr ab, ohne wirkliche Kenntnisse der Szene etwas aufzubauen. Er bietet ihr an, ein Jahr lang jeden Monat eine neue Spielart selber auszuprobieren. Durch seine Beziehungen in die Szene will er ihr ermöglichen, jeden Monat mit einem anderen Lehrer und an einem anderen Ort zu erfahren, wo ihre Wünsche und Sehnsüchte wirklich liegen.
In diesem Sammelband sind die Einzelbände „Gehalten“, „Erzogen“ und „Bezwungen“ enthalten.

Man merkt, dass die Autorin selber in der Szene unterwegs ist. Sie beschreibt die einzelnen Spielarten sehr genau, sehr anregend, aber ohne verklärend zu wirken. Sie weist auf die Gefahren, die ein Spiel mit sich bringen kann, genauso hin, wie auf die Lust, die durch die unterschiedlichen Kinks gewonnen werden kann. Alice ist sehr authentisch beschrieben, ihre Unsicherheit und ihre Sehnsüchte sind gut nachvollziehbar. Und auch ihr Lustgewinn und ihr Sträuben, manche Dinge lieber nicht ausprobieren zu wollen. Jeder Einzelband spielt in einem Monat und mit einem bestimmten Kink.

Achtung, dieses Buch ist nichts für schwache Gemüter. Es gibt explizite Sexszenen, die jedoch niemals schmuddelig erscheinen. Wer neugierig auf den Bereich BDSM ist, ist hier sicherlich besser aufgehoben als bei Büchern in der Art von SoG. Es gibt keinen Millionär und kein williges Weibchen, sondern selbstständig denkende Menschen.
Gern vergebe ich hier fünf Sterne und bin gespannt auf die nächsten Bände dieser Reihe.
Zum Verständnis der einzelnen Bücher bietet es sich an, tatsächlich mit Band 1 der Serie zu beginnen und nicht mittendrin einzusteigen.

Autoreninterview Kathrin Langer

 

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Foto: Copyright Kirsten Köhler

Liebe Frau Langer,

herzlichen Dank zunächst, dass Sie sich die Zeit nehmen, mir ein paar Fragen zu beantworten. Wir hatten bis jetzt ja noch nichts miteinander zu tun, deshalb bin ich besonders gespannt auf dieses Interview.

In Ihrer Vita habe ich gelesen, dass Sie quasi schon immer geschrieben haben. Nach der Schule studierten Sie Kulturwissenschaften und arbeiteten dann als Werbetexterin, Ghostwriterin und Heftromanautorin. Außerdem schrieben Sie als freie Mitarbeiterin Berichte für den Hörfunk und Zeitschriften. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie 2013 beschlossen haben, sich ganz der Belletristik zuzuwenden und nur noch als Romanautorin zu arbeiten?
Hm, so einen richtigen Wendepunkt gab es eigentlich gar nicht. Wie Sie es sagen, habe ich wirklich schon immer geschrieben, seit es mir in der Schule beigebracht worden ist. Und auch gelesen. Ich glaube, das Romanschreiben ist einfach die logische Konsequenz aus meiner Leidenschaft für Sprache, Geschichten und meinem Werdegang. Ehrlich gesagt hab ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht, es ist einfach so passiert.

Gibt es einen zweiten Traumberuf, den Sie neben dem jetzt ausgeübten gern gelernt / ausgeübt hätten? Und was hat sie dazu bewogen, den aktuellen Weg einzuschlagen?
Den gibt es tatsächlich. Ich wollte Chirurgin werden und hatte damals auch einen Studienplatz. Dann habe ich mich aber für Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Sprache und Musik entschieden. Heute würde ich vielleicht anders machen. Als Chirurgin kann man auch schreiben, als Autorin aber keine chirurgischen Eingriffe vornehmen. Außer auf dem Papier

Sie schreiben in diversen Genres, so findet man unter Ihrem Echtnamen „Kathrin Hanke“ Krimis und sie sind Mitglied bei HOMER, der Autorenvereinigung Historische Literatur e.V. Aber auch Liebesromane sind Ihnen nicht fremd. 2019 ist ihr Roman „L(i)eben ist … eine Mottoparty“ erschienen. Gibt es ein Genre, in dem Sie besonders gern unterwegs sind?
Ja, das sind Krimis beziehungsweise die ganze Klaviatur der Spannungsromane. Auch mein historischer Roman geht in diese Richtung und auch ein bisschen „L(i)ben ist eine Mottoparty“, wobei wohl eher unterschwellig, da der Roman in erster Linie dem Genre entspricht.

Wenn ja, warum?
Generell interessiert mich der Mensch, seine hellen und seine dunklen Seiten. Jeder hat diese beiden Seiten meines Erachtens. Viele offensichtlich, doch einige auch versteckt. Beim Schreiben von Spannungs- – aber auch Liebesromanen – beschäftige ich mich gern mit „beiden Seelen“, die in einer Brust schlagen.

Was reizt Sie an den unterschiedlichen Genres?
Jedes Genre hat für mich seine Reize – ich lese auch die meisten. Es ist ein bisschen so, wie ich durch die Welt gehe: Da nehme ich alles Mögliche auf, interessiere mich für alles und erschließe mir das Geschehen. Stück für Stück. Beim Lesen lerne ich die unterschiedlichen Welten kennen, beim Schreiben ist das noch stärker. Darum möchte ich mich selbst auch nicht festlegen und für alles offen sein.

Wie bereiten Sie sich auf ein neues Buchprojekt vor?
So eine richtige Vorbereitung gibt es bei mir nicht. Irgendwann stoße ich auf ein Thema, dass mich interessiert oder worauf ich einfach Lust habe. Das schlage ich dann meinen Verlagen vor, wir besprechen das, wägen es ab, hinterfragen, ob es ausreichend ist, um zwischen zwei Buchdeckel zu passen und dann planen wir den zeitlichen Ablauf. Dann beginne ich langsam mit der Recherche. Aber nur langsam, da ich ja in der Regel noch an einem anderen Manuskript sitze. Wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist, klappe ich mein Laptop auf und beginne zu schreiben – täglich. Die tiefergehende Recherche mache ich während des Schreibprozesses.

Betreiben Sie auch Recherche in Fachliteratur und Internet?
Ja, ich nutze für meine Recherchen alle Möglichkeiten – Fachliteratur und Internet genauso, wie Museen, Archive oder das Begehen der Orte, in denen meine Protagonisten angesiedelt sind bzw. ich sie wohnen und wirken lasse.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Bücher?
Der Alltag hält so einiges bereit … Damit meine ich nicht nur meinen Alltag, sondern auch Gespräche, die ganz wichtig für mich sind und ebenso die Berichterstattung in den Medien.

Wie lange benötigen Sie für ein Buch?
Wie lange ich an einem Buch schreibe, ist unterschiedlich. Im Schnitt sechs bis neun Monate. Ein Historischer Roman bzw. ein True Crime dauert aufgrund der Recherche länger, als ein komplett fiktiver.

Schreiben Sie „aus dem Bauch heraus“, oder plotten Sie vorher?
Ich gehöre zu den „Plottern“, zumal ich es muss. Die Verlage benötigen zur Entscheidung für ein Buch ein Exposé, in dem auch die Handlung – Anfang, Mitte, Schluss bzw. Auflösung – sachlich beschrieben steht. Dies ist jedoch nur eine grobe Ausarbeitung der Idee. Von befreundeten Autoren weiß ich, dass einige Kapitel für Kapitel komplett durchplanen. Das mache ich nicht, um mich nicht zu sehr einzuschränken und meinen Figuren eine gewisse Selbstständigkeit zu lassen.

Ihr Buch „L(i)eben ist … eine Mottoparty“ ist im Maximum-Verlag erschienen. Was reizt sie, als Verlagsautorin zu schreiben?
Das kann ich nicht sagen, da ich keinen Vergleich habe – ich habe immer, auch zu meiner Zeit als Ghostwriterin, für Verlage gearbeitet. Vielleicht liegt es daran, dass man sich als Verlagsautorin auf einen professionellen Austausch mit seinem Gegenüber verlassen kann?

Wo sehen Sie für sich die Vorteile einer Verlagszusammenarbeit?
Ich möchte Geschichten erzählen, schreiben. Ich bin sehr froh darüber, dass mir gewisse andere organisatorische Dinge, die zu der Herausgabe eines Buchs notwendig sind, abgenommen werden.

Haben Sie Tipps für junge Autoren und Autorinnen, die auch gern als Verlagsautoren veröffentlichen möchten?
Als Verlagsautor sollte man kritikfähig sein – denn erst die intensive Auseinandersetzung macht aus einem Buch ein gutes Buch, meine ich.

Jetzt habe ich noch ein paar persönlichere Fragen, damit die Leser Sie als Person noch ein bisschen näher kennenlernen können:
Wie, wo und wann schreiben Sie am liebsten?
Da ich inzwischen Berufsautorin bin, fange ich morgens mit dem Schreiben an und höre abends auf. Dabei sitze ich in meinem Büro zuhause am Schreibtisch. Hört sich ziemlich unromantisch an, nicht wahr? Ist es aber nicht, da ich meine Umgebung beim Schreiben vergesse, allerdings mit einem Handgriff immer alles parat habe, wenn es notwendig ist.

Was ist Ihnen beim Schreiben als Arbeitsumgebung wichtig?
Da bin ich ziemlich anspruchslos. Na ja, ich mag nicht frieren und brauch es muckelig warm.

Welches Genre lesen Sie selber am liebsten? Haben Sie Autorenvorbilder oder Autoren, die Sie besonders gern lesen?
Vorbilder habe ich nicht, nein, Lieblingsschriftsteller schon. Simon Beckett finde ich großartig. Nicht nur seine erfolgreiche David Hunter-Reihe, vor allem seine anderen, abgeschlossenen Romane. Ich habe ihn einmal nach einer Lesung bei einem gemeinsamen Abendessen zusammen mit dem Veranstalter kennengelernt. Davon werde ich sicher noch meinen Enkeln erzählen! Mein absoluter Lieblingsautor ist jedoch John Irving. Ich liebe seinen Stil und er vereint in jedem einzelnen seiner Bücher gekonnt alles, worauf es für mich ankommt.: Spannung, Liebe, Hass, Verzweiflung, Herausforderung, Stärke, Alltäglichkeiten – eben alles Menschliche , das, was auch das Leben an sich ausmacht. Und damit ist auch schon die Frage nach meinen Lieblingsgenre beantwortet: Ich kann mich da nicht festlegen. Worte und Satzkompositionen sind es, die mich beim Lesen begeistern (oder auch nicht). Das kann gern ein Krimi sein, aber auch ein Epos wie „Vom Winde verweht“, eine Herzensgeschichte wie „Gut gegen Nordwind“ oder Erzählungen wie „Franny und Zooey“ von Salinger (um das alles jetzt nicht auf Irving zu beziehen). Im Grunde lese ich genretechnisch das, was meiner aktuellen Stimmung entspricht und die ist mal krimi(nell ;-)), mal liebe(voll), mal in der Vergangenheit schwelgend und manchmal auch einfach alltäglich.

Wenn Sie an einem neuen Projekt arbeiten: lesen Sie dann privat eher in einem anderen Genre?
Nein, das eine hat für mich nichts mit dem anderen zu tun.
Das waren jetzt eine Menge Fragen. Aber vielleicht habe ich ja eine oder mehrere für Sie wichtige Fragen gar nicht gestellt? Gibt es etwas, das Sie den Lesern gern noch mitgeben oder erzählen möchten?
Ich möchte gern die Möglichkeit nutzen und meinen Lesern danke sagen. Nicht nur, dass sie meine Bücher lesen, sondern vor allem, weil sie sich mit ihnen auseinandersetzen, wie mir die vielen Zuschriften zeigen. Ich liebe den Kontakt mit Lesern und gerade jetzt fallen ja Corona-geschuldet die ganzen Lesungen aus und damit auch persönliche Gespräche. Wenn dann aber wieder einmal eine Email unerwartet in mein Postfach flattert, ist die Freude derzeit umso größer. Also: DANKE! Und dieses „Danke“ gilt auch für Sie, liebe Frau Perc und ihre Blogger-Kolleginnen und -Kollegen. Für all das, was Sie durch Ihr Wirken für den Buchmarkt und uns Autoren tun.
Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview und wünsche Ihnen alles Gute. Und in dieser sehr seltsamen Zeit vor allem auch: Bleiben Sie gesund!

Im Maximum-Verlag erschienen:
BildBuch

Mehr Informationen zur Autorin und ihren Büchern gibt es hier:

Maximum-Verlag

Kathrin Hanke

Eine wunderbare Reise in die Toskana

Die geheimnisvollen Gärten der Toskana – Anja Saskia Beyer
Jessy ist in unglücklich. Ihren Job hat sie verloren, weil der Blumenladen, in dem sie gearbeitet hat, geschlossen worden ist. Ein neuer Job ist leider auch nicht in Sicht. Ihre Eltern haben sich nach langer Ehe getrennt und mit der Liebe klappt es auch irgendwie bei ihr nicht. Da kommt die Anzeige, eine Gartenhilfe in der Toskana sei gesucht, gerade richtig. Und dass Haustiere erlaubt seien, passt noch besser, denn schliesslich ist Bella Jessys treue Weggefährtin auf vier Pfoten. Kurzerhand bewirbt Jessy sich für diesen Job und bekommt ihn auch. Mit dem Job bekommt sie auch den smarten Gregorius als Chef, der, wie sich dann herausstellt, Sohn der Villenbesitzerin ist. Und der zu bestellende Garten stellt sich als zauberhafter toskanischer Garten dar, der so einige Besonderheiten birgt.
Mal wieder ist der Autorin ein großartiger Roman gelungen. Jessy ist eine nette Protagonistin, die weiss, was sie will, die anpacken kann, und die auch genau weiss, was sie nicht will. Gregorius ist zu Beginn etwas zerissen, doch auch er entwickelt sich zu einem sehr sympathischen Protagonisten. Genau das Gegenteil ist der alte Bandini – er ist der Autorin herrlich unsympathisch gelungen. Die Nebencharaktere sind ebenfalls nicht zu verachten, besonders die Entwicklung von Gregorius Mutter hat mir richtig gut gefallen.
In gewohnter Weise hat Anja Saskia Beyer es wieder geschafft, neugierig auf die beschriebene Landschaft und die beschriebenen Orte zu machen. Bisher war mir die Toskana zwar als nette Gegend, aber nicht als mein Wunschreiseziel in Gedanken. Aber nach dem Buch bin ich neugierig und möchte zu gern diese besonderen Gärten, um deren Erhaltung es im Buch geht, kennenlernen.
Ebenfalls bereits gewohnt und geliebt sind die leckeren Gerichte, die in den Büchern der Autorin vorkommen. Immer landestypisch und passend auf das Buch abgestimmt. Als Schmankerl gibt es zu genau diesen Gerichten immer die Rezepte als Anhang, für mich immer die Gelegenheit, mal nachzukochen und nachzubacken, was die Figuren so probieren durfen.
Mein Fazit: ich bin mal wieder nicht enttäuscht worden. Das Buch hat mich komplett gefesselt, die Geschichte ist rundum gelungen und neben den Leckereien, den tollen Gärten und den netten Protagonisten gibt es auch eine wundervolle Liebesgeschichte. Deshalb gibt es von mir von Herzen fünf strahlende Sterne und eine weitere Empfehlung in der Buchlandschaft.

Anja

Am 23.05. habe ich hier das Buch „Die Sterne über Venedig“ von Anja Saskia Beyer vorgestellt.
Am 24.05. gab es auf Ullas Bücherseite ein exklusives Interview mit Miranda aus „Die Sterne über Venedig“
Auch auf Ullas Bücherseite gibt es  eine Rezension zum Buch, und am 27.05. die Buchvorstellung zu Erdbeeren im Sommer.

Blogtour – Buchreise durch Italien

Italien

Buchvorstellung: Die Sterne über Venedig – Anja Saskia Beyer

Eine Zeitreise

Dieses Buch ist bereits im Oktober 2019 erschienen. Doch da der neue Roman von Anja Saskia Beyer, „Die geheimnisvollen Gärten der Toscana“, in den Startlöchern steht, möchte ich „Die Sterne über Venedig“ nochmal besprechen. Denn in meinen Augen war das das bisher beste Buch der Autorin und es ist absolut lesenswert. Nach diesem Buch habe ich innegehalten und musste die Geschichte sacken lassen – das passiert mir bei Büchern nicht allzu oft.

Gerade in der heutigen Zeit, mit der Pandemie im Nacken und des social distancing überall empfinde ich das Buch als nochmal so intensiv. Denn auch jetzt haben wir eine Zeit, in der wir innehalten, in der Zusammenhalt so wichtig ist und gegenseitige Rücksichtnahme. Aber auch eine Zeit der starken Menschen, die sich für andere einsetzen, die füreinander kämpfen!

Die Schwestern Nicola und Caterina reisen gemeinsam mit Nicolas junger Tochter nach Venedig, weil es ihrer Nonna nicht gutzugehen scheint. Doch die gemeinsame Zeit wird überschattet von einer Distanz zwischen den Schwestern, die sich zumindest Nicola nicht erklären kann. Aber dann erzählt Nonna ihre Geschichte. Eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg über ihre Tätigkeit als Stafette im Widerstandskampf.
Wieder einmal ist es Anja Saskia Beyer gelungen, einen absolut fesselnden, in zwei Epochen spielenden, Roman zu schreiben. Wir begleiten Nicola und Caterina in der heutigen Zeit und leiden mit Nicola unter der Distanz, die Caterina aufgebaut hat und ihrer noch recht neuen Situation als alleinerziehende Mutter. Parallel erleben wir Nonnas Geschichte mitten im zweiten Weltkrieg in Venedig, die Verfolgung der Juden und den Kampf der Partisanen und mutigen Frauen, die den Widerstand unterstützt haben. Behutsam greift die Autorin diese wichtigen Themen auf. Durch den wirklich spannend geschriebenen Plot ist der Leser gefangen in der Geschichte, und wird gleichzeitig wachgerüttelt, dass ähnliche Situationen wie damals auch heute auf uns zukommen könnten, ohne dass der moralische Zeigefinger erhoben wird.
Die Protagonisten sind durchweg sehr sympathisch und authentisch. Obwohl ich noch nie in Venedig war, habe ich das Gefühl, genau zu wissen, wo welche Szene spielt, so liebevoll und detailgetreu ist die Beschreibung, ohne langweilig zu wirken. Vor allem mit Nonna als junger Frau liebt und leidet man bei ihren Wanderungen in die Berge mit.
Das Buch hat mich auf eine tolle Reise mitgenommen. Neben allen Querelen und Kriegsgeschichten fehlt eine grosse Portion Liebe nicht.

Venedig

Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2019
Verlag Tinte&Feder
Taschenbuchausgabe: 320 Seiten
ISBN-13: 978-2496700374
Hier geht’s zum Buch

Und morgen, 24.05., gibt es auf Ullas Bücherseite ein exklusives Interview mit Miranda
Meine Rezension kommt natürlich am 26.05. dann direkt hier.
Am 26.05. gibt es auf Ullas Bücherseite eine Rezension zum Buch, und am 27.05. die Buchvorstellung zu Erdbeeren im Sommer.